Umweltschutz durch Ausleihen: Stadtbibliothek Laim wieder geöffnet

Leihen statt kaufen ist eine althergebrachte Maxime des Umweltschutz. Eine zentrale Anlaufstelle für Medien zum Ausleihen ist die Stadtteilbibliothek in Laim. Seit heute ist sie wieder geöffnet – mit dichtem Dach und neuen IT-Arbeitsplätzen, die einen weiteren Schritt hin zur Sharing Economy darstellen.

Stadtbibliothek Zech Fetzer

Frau Fetzer und Frau Zech im Garten der neu renovierten Stadtbibliothek Laim.

Gut zwei Monate mussten die Laimer auf ihre Bibliothek, einen zentralen Anlaufpunkt für Bücher, Filme, Zeitschriften oder einfach einen Ort zum Verweilen verzichten. Doch mittlerweile ist das Dach abgedichtet und neu begrünt, die Wände frisch gestrichen, der Boden erneuert und zehn neue Arbeitsplätze eingerichtet. Die beiden öffentlichen Rechner können kostenlos benutzt werden und vereinen jetzt Bibliothekskatalog, Onleihe, Internet und grundlegende Office-Programme.

Stadtbibliothek Computer

Öffentliche Arbeitsplätze mit kostenfreiem Internet, Bibliothekskatalog, Word und Excel.

Leihen statt Kaufen: Stadtbibliothek Laim nach Renovierung wieder geöffnet

Schon am ersten Vormittag ist die Bücherei gut besucht: Von jungen Mamas über Studenten bis zu Rentnern aus der Nachbarschaft ist von allem etwas dabei. Viele der Besucher grüßen Frau Fetzer und Frau Zech persönlich, als sie mich durch die neu renovierte Stadtbibliothek führen. Für sie ist die Bibliothek mehr als ein Ort zum Bücher ausleihen: „Wir sind eine Plattform für den Stadtteil“, beschreiben sie die Rolle der Bibliothek.

Mehr als Bücher gibt es hier tatsächlich: 45.000 Medien führt die Stadtbibliothek, darunter Filme, Serien, Hörbücher, Zeitschriften, Comics oder Kochbücher. Auch Lernmaterialien gibt es, Biografien, Zeichenbücher oder Konsolenspiele. Und noch vieles mehr.

Genutzt wird das Angebot durchaus: Fast 300.000 Ausleihen (ohne Verlängerungen) hatte die Bibliothek 2017, damit wird jedes Medium im Schnitt sechs- bis siebenmal ausgeliehen. Eine sehr gute Quote, versichert mir Frau Fetzer.

Umweltwirkung der Medien geteilt durch sechs

Das stimmt, denn der größte Umwelteinfluss von Büchern entsteht durch die Produktion. Je häufiger einzelne Bücher geteilt und gelesen werden, desto geringer ist der Umweltweinfluss.

Für 10 durchschnittliche Bücher entstehen in der Produktion etwa 11 kg CO2. 80 Prozent  der 1 Milliarde in Deutschland pro Jahr produzierter Bücher werden noch auf herkömmlichem Papier gedruckt, nicht auf Recyclingpapier. Das für zu hohem Wasser- und Energieverbrauch. Bei fremdsprachigen Büchern kommt hinzu, dass sie aus dem Produktionsland erst noch zum Leser transportiert werden müssen. Man stelle sich vor, wenn jeder jedes einzelne Buch selbst kaufen müsste!

Die Bibliothek bietet dafür eine einfache Lösung: Für 20 € im Jahr (10€ Rabatt für bestimmte Gruppen) gibt es Medien ohne Ende: Deutsch, Englisch, fremdsprachig, gedruckt oder als eBook.

Stadtbibliothek Arbeitsplätze

Die neuen Lese- und Arbeitsplätze in der Laimer Bibliothek.

Egal ob Buch oder eBook – die Stadtbibliotheken bieten beides

eReader sind eine einfache, digitale Lösung für das „Bücher-produzier-und-transportier-Thema“, für die in der Nutzung Strom als einzige Ressource benötigt wird. Allerdings darf die Herstellung der eReader nicht vernachlässigt werden. Sie ist sehr energieintensiv und benötigt für einen einzigen, im Schnitt 200 g schweren Reader 15 kg Materialien, darunter viele seltene Rohstoffe, außerdem 300 Liter Wasser und produziert 170 kg CO2. Laut „Smarte Grüne Welt“ amortisieren sich die Herstellungskosten nach 30 bis 60 darauf gelesenen Büchern. Diese Anzahl muss geschafft werden, bevor der eReader kaputt ist oder gegen ein moderneres Gerät ausgetauscht wird. Das ist gar nicht so wenig: Ich würde von mir sagen, dass ich eher viel lese – trotzdem sind 50 Bücher pro Jahr mein absolutes Maxium.

Danach kommt es nur noch auf den Energie- und CO2-Aufwand der Nutzung an. Dabei sind die digitalen Ausgaben von Büchern fünf Mal effizienter als ihre gedruckten Gegenstücke – vorausgesetzt, dass die gedruckten Bücher nicht geteilt werden. Je öfter die Bücher – oder auch die Dateien – geteilt, verliehen und gelesen werden, desto energie- und ressourceneffizienter sind sie. Ein klares Argument für Büchereien, egal ob digital oder Print!

Aber, wie Frau Zech sagt: „Es ist kein Entweder-Oder. Die meisten Leute benutzen beides: Printbücher hier aus der Bibliothek und den eRader und die Onleihe, wenn sie im Urlaub am Strand sind.“

Außerdem muss nicht zwingend ein neues Gerät gekauft werden: Ich lese meine eBooks aus der Bibliothek mit Adobe Digital Editions auf dem Smartphone, man kann sie auch direkt im Browser lesen. Die Anschaffung eines eReaders ist also nicht zwingend nötig.

Ein weiterer Vorteil ist Overdrive, die englischsprachige Version der Onleihe. Dort kann man viele englische Bücher, die sonst lange Transportwege hätten, direkt als eBook ausleihen. Sowohl für Overdrive wie auch die Onleihe gibt es kostenlose Apps.

Eingang

Mit dem Rad zum Bücher ausleihen.

Der Transport ist entscheidend: Lass das Auto stehen!

Transportwege spielen für die Umweltbilanz eine große Rolle, egal um was es geht. Und unabhängig davon, wie viel CO2 eingespart wird, weil die Bücher durch viele Hände gehen – sobald man extra ins Auto steigt, um zur Bibliothek zu fahren, ist der ökologische Vorteil ganz schnell wieder hin.

Deswegen: Rauf aufs Fahrrad, Rucksack oder Satteltaschen anschnallen, oder den guten öffentlichen Anschluss nutzen. Mehrere Busse und die U5 (Laimer Platz) halten vor der Haustür. Wenn man es dann noch schafft, den Bücherrausch mit dem Arbeitsweg oder dem Einkauf zu kombinieren – 100 Punkte für den Umweltschutz!

Auch für die Bibliothek selbst spielt Umweltschutz eine Rolle: So initiierten die Damen der Laimer Stadtbibliothek, dass in allen Bibliotheken der Stadt kaputte CDs nicht einfach weggeworfen, sondern gesammelt und fachgerecht verwertet werden. Auch den Kaffee in der Bibliothek kann man ohne schlechtes Gewissen genießen: Die Stadtbibliotheken haben die Plastikbecher des Anbieters durch Porzellantassen ersetzt. So gibt es zu den Sharing-Medien auch gleich noch Zero-Waste-Kaffee – gehts noch besser? 🙂

Stadtbibliothek Kaffee

Signatur Grünes Element

Quellen:

Bayerischer Rundfunk: https://www.br.de/radio/bayern1/inhalt/experten-tipps/umweltkommissar/buch-ebook-lesen-umwelt-100.html

Utopia: https://utopia.de/ratgeber/ebook-reader-oeko/

Lange & Santarius: Smarte Grüne Welt? 2018, oekom Verlag

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Ein Gedanke zu “Umweltschutz durch Ausleihen: Stadtbibliothek Laim wieder geöffnet

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