Backpacking – Meine Not-To-Pack-Liste

Vielleicht merkt man, dass mich das Thema Besitz bzw. nicht besitzen gerade beschäftigt… Fazit: Man braucht lange nicht alles, von dem man denkt, das man es braucht.

Im Zuge meiner Aufräum-Aktion anlässlich des Umzugs bin ich auf meine Packliste für meine dreimonatige Backpacking-Tour durch Neuseeland gestoßen. Die Geschichte ging ja so: Mein Partner und ich waren noch ganz unschlüssig, wie wir durch Neuseeland reisen wollten. Nachdem uns bei einer Outdoor-Filmnacht „Pedal the World“, eine Self-Made-Doku über eine Weltumrundung per Fahrrad, inspiriert hat, haben wir die Idee „Mit dem Rad durch Neuseeland“ immer wieder erwogen und wieder verworfen. Also sind wir mit ganz normalem Gepäck ans andere Ende der Welt geflogen – und haben uns dort in zwei Fahrräder inklusive Satteltaschen verliebt. 48 Stunden später hatten mich die Hügel der Northlands und die überpackten Räder körperlich wie moralisch (fast) zur Kapitulation gebracht. Weitergeradelt mit mindestens 20 kg Gepäck pro Person sind wir trotzdem. Erst als uns drei Wochen später einer unser Gastgeber, selbst erfahrener Tourenradler, soooo ausgelacht hat wegen unserem Gepäck – und der Tatsache, dass wir für die anstehende Wandertour noch wärmere Klamotten kaufen mussten – haben wir entschieden, dass es einfach zu viel ist.

Fully loaded bike

Fully loaded…

Also haben wir zwei Pakete geschnürt und sechs Kilo ZEUG zum Endpunkt unserer Reise vorgeschickt. Was in den Päckchen war, möchte ich euch gerne erzählen, denn es gibt einfach Sachen, die man unterwegs überhaupt nicht brauchen kann.

Kleidung, die besser im Schrank bleibt

  • Sandalen oder Flipflops: Für Wanderungen oder lange Tage sind Turnschuhe hundert Mal bequemer, in manche Restaurants kommt man sowieso nur mit geschlossenen Schuhen – deswegen sind Turnschuhe meine erste Wahl! Wenn das Wetter passt, kann man auch barfuß laufen 🙂 Und ungelogen: Ich habe meine Sandalen, die ich im deutschen Sommer ununterbrochen trage, in Neuseeland nicht ein Mal ausgepackt.
  • Extra Shorts: Klar sind Jeansshorts deutlich schicker als eine abzippbare Wanderhose. Aber auch schwerer, unhandlicher und nicht so vielseitig einsetzbar. Und wenns doch mal schick sein soll, braucht man keinen…
  • Rock: Echt nicht – weil nicht vielseitig genug. Stattdessen ein schönes Wickeltuch einpacken, das kann man als Rock oder Kleid oder Tunika anziehen, es ist leicht, klein faltbar und kann im Zweifelsfall auch noch Handtuch oder Picknickdecke sein.

Ich versuche beim Packen immer schon in Outfits zu denken und Basics in schlichten Farben so zusammenzustellen, dass ich sie für den Strand, für den Sport, fürs Restaurant oder zu einem Besuch kombinieren kann. Dafür reichen meistens schon ein paar Teile.

Accessoires – kann man eigentlich komplett zu Hause lassen!

  • Gerade Schmuck oder die teure Armbanduhr bringen nicht wirklich was, sondern gehen eher kaputt oder verloren.
  • Auch Tablet, Laptop etc. sind kompliziert trocken und sicher zu halten. Smartphones können heutzutage eh alles, passen in jede Hosentasche, und eine Extra-Powerbank nimmt viel weniger Platz und Gewicht weg als der ganze Laptop. Außerdem gibt es Internetcafés oder öffentliche PCs in Bibliotheken – es gibt also auch andere Möglichkeiten.
  • Buntstifte / Stabilos / Lineal / Anspitzer: Ich weiß nicht, ob ich dachte, dass ich auf Reisen zum grafischen Genie wurde – für mich reichen ein Bleistift und ein Kugelschreiber überall hin. Und mein Taschenmesser zum Spitzen. Echte Künstler natürlich ausgenommen 🙂
  • Regenschirm: Für einen Städetrip ok. Für einen Backpacking-Trip – ich weiß nicht. Die Regenjacke war dafür ein Essential
  • Ohrenstöpsel: Abgesehen davon, dass sie Einweg sind und aus Plastik habe ich sie nie wirklich gebraucht. Im Flugzeug oder Hostel lieber die In-Ear-Kopfhörer rein und mit der Lieblingsmusik einschlafen 😉

Essen & Einkaufen

  • Strohhalme aus Edelstahl: Ich glaube das war die bescheuertste Idee aller Zeiten! Die Edelstahlhalme sind schwer, und de facto habe ich noch kein Getränk entdeckt, das man nicht auch direkt aus dem Glas trinken könnte. Außerdem ist es meistens eh schon zu spät, wenn das Getränk mit Plastikstrohhalm serviert wurde – wie handhabt ihr das?
  • Glasflaschen: Genau wie die Edelstahlhalme zu schwer und im Gelände auch nicht bruchfest genug. Wir hatten konventionelle PET-Flaschen dabei, die wir so oft wie möglich wieder befüllt haben.
nachhaltiges-travelset

Nachhaltiges Travelset (von links oben im Uhrzeigersinn): 1. Box, 2. Plastikbecher, 3. DrySack, 4. Besteck, 5. Edelstahlstrohhalm, 6. Haarseife, 7. Wäscheseife, 8. Lippenpflege, 9. Creme im Glas, (10. Beutel für Obst,) 11. Jutebeutel –> korrigierte Version 🙂

 

  • Wachstücher: Hatte ich in Neuseeland nicht dabei, würde ich auch so nicht mitnehmen. Eine Alternative könnte aber ein Wachstuch-Brotzeitbeutel sein. Anleitung zum Selbermachen folgt bald!
  • Stattdessen einpacken: Taschenmesser, tiefe Teller (funktionieren für alles von Suppe über Brotzeit bis zum Salat), leichte Plastikbox zum Einpacken von Resten (oder mit warmem Wasser befüllen als ‚Wärmflasche‘ wenns mal kalt wird im Zelt), Jutebeutel, eigenes Besteck, wiederverwendbare Plastikbecher. Gerade beim Reisen mit dem Fahrrad (aber auch beim Wandern oder Backpacken) zählt jedes Gramm Gewicht. Wer Glas oder Edelstahl tragen möchte, soll es gerne tun. Bei Koch- und Essutensilien setze ich aber auf Reisen gerne auf wiederverwendbares Plastik. Wenn man es vorher schon hatte und nachhaltig und schonend verwendet hat es vermutlich sogar einen geringeren ökologischen Fußabdruck, als den gerade aktuellsten Öko-Trend aus dem Outdoorshop neu zu kaufen.
  • Außerdem: Immer eine leere Flasche mit in den Flughafen nehmen, nach der Sicherheitskontrolle auffüllen (viele Flughäfen haben extra Trinkwasserspender dafür) und so Müll vermeiden!

Waschzeug

  • Shampooflasche: Auf dem Rückflug ist mir die Haarseife, die sich perfekt als Reiseshampoo eignet, ausgegangen. Also konventionelles Shampoo gekauft, promt ist sie auf dem Heimflug im Rucksack geplatzt. Das einzig Gute an der Sache: Mein Backpack riecht immer noch nach Kokos 🙂
  • Das gleiche gilt für Duschgel, Körpermilch, Peelings… zum einen braucht man unterwegs kaum mehr als ganz normale Blockseife und was für die Haare, zum anderen gibt es dank Lush oder lokalen Seifenmanufakturen Shampoo, Hautpflege, Peelingseife etc. in praktischen Blöcken. Die sind klein, ergiebig, leicht, können nicht auslaufen und dürfen sogar ins Handgepäck!
nachhaltige-neukaufe

Haarseife, Rasierseife, Wäscheseife: So schnell kann der Waschbeutel ganz klein werden.

  • Waschpulver für die Waschmaschine: Seid ihr schon mal mit dem Rucksack in den Regen gekommen, wenn das Päckchen Waschpulver nicht komplett wasserfest verpackt war? … Ich auch nicht 😀 Will ich aber auch nicht, deswegen habe ich von Ohne der unverpackte Supermarkt ein Stück Waschseife mitgenommen. Die hat mich voll überzeugt: Ein Block hat drei Monate für zwei Personen gehalten, es klappt sowohl für die Handwäsche als auch, wenn man Flocken davon mit der Wäsche in die Maschine gibt, und alles ist immer sauber geworden. Daumen hoch von mir!
  • Am besten alle Seifen/Wasch/Peelingblöcke gleich in einen trockenen Waschlappen packen und ab in den Rucksack! Darin ist alles sicher verstaut, und einen Peelinghandschuh hat man auch gleich dabei 😉
    Ach ja: Schwämme oder Waschlappen sind extrem hilfreich, wenn man in Gebiete mit Wasserknappheit reist, wo nur kurz duschen erlaubt ist. Musste ich selber noch nicht testen (Neuseeland hat den größten Wasseranteil pro Bewohner der Welt), habe ich aber theoretisch aus „Das Jesus-Video“ gelernt. Hat jemand echte Erfahrung damit?

Außerdem zu meinem Lieblingsthema Bücher: Ich war damals auf dem Hinflug so schlau, bei einem Zwischenstop in London den grade erschienenen „achten“ Teil von Harry Potter zu kaufen, mit der festen Überzeugung, ihn gelesen, unversehrt und wie neu mit nach Deutschland zurückzubringen. Naja… das Buch ist drei Monate durch Sonne, Sturm und Regen in einer… mäßig dichten Satteltasche gereist. So sieht es auch aus! Außerdem habe ich zweieinhalb Monate ein Buch mit mir rumgetragen, dass ich gar nicht mehr gelesen habe.

Was sich aber bewährt hat: Ein kleines, schmales Buch einstecken, durchlesen, und an einem Zeltplatz / Hostel / öffentlichen Bücherschrank gegen ein Neues eintauschen. Solche Einrichtungen gibt es tatsächlich mehr, als ich erwartet hatte, und sie haben mich die ganze Zeit hindurch treu mit Büchern versorgt 🙂 Noch eine Alternative ist das Ebook auf dem Smartphone – nicht so komfortabel wie ein Kindle, dafür kein extra Gerät, leicht, überall verfügbar. Das Beste: Die Stadtbiliothek München bietet für den ganz normalen Ausweis auch eine große Auswahl an eBooks an.

Schweden Bücherschrank

Das war eine Riesenüberraschung für mich in Schweden – der Ort, wo unser Ferienhaus war, hatte weder geteerte Straßen noch einen Bäcker, ABER einen eigenen Bücherschrank 😀 Da lohnen sich die Sprachkurse endlich 🙂

Was sind Deine Erfahrungen auf Reisen? Kommst du mit einem halben Koffer unberührter Sachen wieder heim oder hast du das perfekte Mittelmaß schon gefunden? Und was hast du schon mit in den Urlaub genommen, das sich hinterher als komplett überflüssig erwiesen hat?

Ich bin gespannt! 🙂

Signatur Grünes Element

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Ein Gedanke zu “Backpacking – Meine Not-To-Pack-Liste

  1. ich Finde in diesem Beitrag zeigt sich sehr deutlich das Dilemma in dem wir stecken. Ganz vielen Menschen ist bewusst, dass unser Verhalten kastastrophale Auswirkungen auf unsere Umwelt und damit unser Leben hat. Und viele Menschen fangen an sich zu informieren welche Veränderungen notwendig wären um dagegen zu steuern. Und dann wird viel über reduzieren und einsparen geschrieben.
    Letztlich scheuen sich aber viele davor ihre Erkenntnisse wirklich konsequent umzusetzen wider besseren Wissens.
    Warum einen ganzen Blogeintrag der Einsparung von Gepäck widmen wenn doch die wirkliche Reduzierung der Verzicht auf diese Fernreise wäre.
    Und ja, ich verstehe das Fernweh vieler Menschen. Aber wenn wir nicht endlich bereit sind auf genau diese Annehmlichkeiten zu verzichten und uns den wirklich nachhaltigen Alternativen zuzuwenden sehe ich nicht wie tiefgreifende Veränderungen möglich sein sollen.
    Ich glaube, dass auch die wirklich gut informierten Menschen immer noch nicht verstanden haben wie tief die Einschnitte in unserm bisherigen Leben sein müssen um etwas zu bewirken.

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