Digitalisierung: Grüne Chance oder Konsumtreiber?

Diese „Digitalisierung“ zieht sich durch alle Bereiche der Gesellschaft. Doch was der Umstieg von der analogen auf die digitale Speicherung und Verarbeitung von Informationen konkret bedeutet, ist oft unklar. Eindeutig ist nur, dass dieser Megatrend die Gesellschaft und die Umwelt nachhaltig beeinflusst. Aber wirklich auch nachhaltig?
Dieser Frage gehen Steffen Lange und Tilman Santarius in ihrem Buch „Smarte grüne Welt? Digitalisierung zwischen Überwachung, Konsum und Nachhaltigkeit“ nach.

Digitalisierung

Für mich war Digitalisierung lange ein sehr abstraktes Thema: Spannend, aber richtig konnte ich den Finger nicht darauf legen, was das Ganze eigentlich sein soll. Zugegeben, für diesen Artikel habe ich erstmal die Definition des Begriffs gegooglet, und das, obwohl ich seit über einem halben Jahr Werkstudentin bei Capgemini bin. In einer Verlosung zur Earth Hour habe ich dort auch das Buch gewonnen, über das ich hier schreiben will. Die Arbeit eng am Puls der Digitalisierung hat für mich vieles konkreter gemacht. Zum Beispiel der IT-Trends Blog  zeigt mir immer wieder, wie Digitalisierung konkret aussehen kann (zum Beispiel in der Gestaltung und Überwachung von Lieferketten, um das Verderben von Nahrungsmitteln zu vermeiden, wie ein Kollege schreibt). Vieles, was ich nur aus der Science Fiction kannte, wird tatsächlich schon umgesetzt.

Aber was bedeutet das für ein nachhaltiges und ökologisches Leben? Ja, Rechner brauchen Strom und Ressourcen, aber dafür müssen keine Bäume mehr gefällt werden, um Bücher zu drucken. Im Internet kann ich mir nachhaltige Produkte bestellen, die es in meiner Stadt nicht zu kaufen gibt. Durch den Mailverkehr müssen keine Briefe mehr mit dem Auto gefahren werden, und die Zugänglichkeit von Daten auf der ganzen Welt birgt gigantisches Potential für Bildung, Zusammenarbeit via Open Data oder die Entwicklung neuer, nachhaltiger Technologien.

Andererseits müssen die Rechner und die Netzstruktur gebaut und betrieben werden, ganz zu schweigen von Unmengen an Smartphones, SmartWatches und was man sich sonst noch an digitalen Wearables denken kann. Die gefühlt ständige Verfügbarkeit von alles und jedem, seinen es Filme, Produkte in Onlineshops, Menschen in Social mediaoder E-Books in der Onlinebiblitiothek führt aber auch zu einer Zusnahme des Konsums. Oft ersetzen neue, digitale  Chancen nicht die traditionellen Konsummöglichkeiten, sondern ergänzen sie. Der Umwelteinfluss kommt einfach on top: Zusätzlich zum Fernsehen wird viel mehr gestreamt, geyoutubed, in Mediatheken nachgeschaut, auf DVD und BlueRay ins Regal gestellt. Anstatt zu ersetzen und einzusparen wird akkmummuliert. Durch die Ermöglichung erhöht sich auch der Konsum.

Smarte Grüne Welt.png

Ich liebe es ja, wenn Bücher zum Mitdenken einladen – und wenn man reinschreiben kann 🙂

Mit genau diesen Aspekten setzen sich Lange und Santarius im ersten Teil von Smarte Grüne Welt sehr detailiert auseinander. Verschiedenste Lebensbereiche vom Onlineshopping über Mobilität und Industrie 4.0 werden genau auf ihren Umwelteinfluss untersucht und auf die Chancen und Risiken, die aktuelle Entwicklungen bieten. Zurück zum Beispiel des EReaders: Ob er sich trotz Energieverbrauch bei der Nutzung und rohstoff- und energieintensiver Herstellung ökologisch amortisiert, hängt ganz individuell von der Nutzung ab. Irgendwann zwischen 30-60 Bücher (abhängig von Dicke und Umweltindikator der Bücher) wird der EReader nachhaltiger als das Printprodukt. Allerdings: Werden die EReader durchschnittlich so stark genutzt? Und hält das gute Stück überhaupt so lange, oder muss man damit rechnen, dass er bei Buch 58 schon wieder kaputt ist?

Der erste Teil des Buchs ist extrem informativ, sehr detailreich und zeigt vor allem: Einfache Lösungen gibt es nicht. Jeder Lebensaspekt muss sehr genau und von Anfang bis Ende des Produktlebenszyklus, nicht nur in Hinblick auf die Nutzung betrachtet werden.

Und da sieht die Bilanz bisher schlecht aus: Durch Rebound-Effekte und die immer stärker steigende Nutzung von Produkten, trägt die Digitalisierung momentan nicht zu einer nachhaltigeren Welt bei.

Deshalb empfehlen die Autoren in Teil 2 des Buches drei Leitprinzipien für ein zukunftsfähige Digitalisierung. Sie lesen sich:

  • Datensuffizienz (Nur so viele Daten erheben und speichern, wie nötig, nicht wie möglich.)
  • Konsequenter Datenschutz
  • Gemeinwohlorientierung

So richtig und löblich diese Leitprinzipien sind, sind sie weniger konkret als der erste Teil des Buches und richten sich eher an politische und gesellschaftliche Akteure als an die Einzelperson. Es geht nicht klar hervor, was ich jetzt tun kann, um zu Datensuffizienz beizutragen (außer vielleicht mal meine Festplatte aufzuräumen…) Trotzdem kann man eins mitnehmen: Umfassend denken, vom Anfang bis zum Ende eines Produktzykluses, die eigene Nutzung richtig einschätzen und dann dementsprechend handeln.

Denn Digitalisierung kann beides: Nachhaltigkeit und sozioökonomische Gerechtigkeit fördern oder Konsum steigern, Ressourcen und Engergie verschlingen und den Klimawandel noch weiter befeuern. Das Buch sagt aber ganz klar: Diesen Prozess kann man steuern.

Deshalb ist es wichtig, aktiv mit der eigenen Verantwortung umzugehen: Im privaten Rahmen, z.B. bei der Anschaffung digitaler Geräte, der hauseigenen Solaranlage oder dem Onlineshopping, im beruflichen Kontext, in dem viele mit Digitalisierung zu tun haben, und im politischen Umfeld, um Aufmerksamkeit bei Verantwortlichen zu schaffen und Visionen für eine nachhaltige, grüne, digitaliserierte und lebenswerte Welt publik zu machen.

Was sind eure Erfahrungen mit der Digitalisierung? Ist sie für euch abstrakt oder konkret? Und wie schätzt ihr den Umwelteinfluss dieses Trends ein?

Signatur Grünes Element

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