Ausmisten macht mir Angst

Schon zu Beginn des Jahres hatte ich diesen verrückten Gedanken einmal – und habe ihn dann schnell wieder verworfen. Einfach mal alles raus, was ich ein Jahr lang nicht benutzt habe. Inzwischen weiß ich, dass ich umziehen muss, und frage mich wieder: Wieso besitze ich so viele Sachen? Und warum miste ich nicht so richtig aus?

Shirts

Ich stand vor meinem Kleiderschrank, betrachtete die sieben Bügel mit Kleidern, die ich schon ewig nicht mehr getragen hatte, und fragte mich: „Was zur Höllen machen die da?“
Zweiter Gedanke: „Wann hatte ich das hier (bodenlanges schwarz glänzendes Ballkleid) eigentlich zum letzten Mal an? (Antwort: 2015 für ein Kostüm als Priesterin) Brauche ich das noch?“
Dritter Gedanke: „Nee… warum nicht raus mit den ganzen sachen, die ich über ein Jahr nicht verwendet habe?“
Vierter Gedanke: „Scheiße…“


Das wären wirklich verdammt viele Sachen, die ich dann aussortieren müsste. Eigentlich alles, was ich nicht angefasst habe, seit ich in die neue Wohnung gezogen bin. Lieblingskleider, für die es kaum eine Gelegenheit gibt, um sie zu tragen. Meine Skisachen, weil ich ein Jahr lang nicht gefahren bin. Ganz zu schweigen von allen meinen Büchern, die lese ich ja auch nicht regelmäßig. Aber ich liebe sie. Ich brauche sie. Was, wenn das nächste Krimidinner kommt und ich kein Outfit als Priesterin/Prinzessin/Partygirl habe? Oder ich endlich auf die chicke Gala eingeladen werde, auf die die Schuhe ganz hinten im Schrank schon zwei Jahre warten? Wenn Freunde vorbeikommen und ich kann kein gutes Buch aus meiner Bibliothek empfehlen?
Vor allem aber: Wieso macht mir der Gedanke, Besitz aufzugeben, so viel Angst?

Ganz ehrlich? Keine Ahnung.

Beim Packen für den Urlaub fragen wir uns: „Was brauche ich?“ und packen lieber den Koffer noch etwas zu voll als zu leer. Selten bleibt da der Blick für alles, was zu Hause bleibt, was man also nicht (akut) überhaupt nicht braucht.
Aber die Sachen sind eben noch da, und nach ein oder zwei Wochen ist man wieder zu Hause bei seinem (immer noch) gut gefüllten Kleiderschrank, der großen Auswahl an Büchern, den drei verschiedenen Rührschüsseln und den Badezusätzen mit den unterschiedlichen Duftnoten. Egal, wie oft man sie dann nutzt. Oder ob überhaupt.

Packliste

Aber für mich steht jetzt fest, dass ich in ein paar Monaten alle meine Sachen in Kisten packen muss und irgendwo anders hinschaffen darf. Und dafür ist es echt ziemlich viel. Auch ziemlich viel, was ich nicht benutze. Ich bin mir noch nicht sicher, wie ich mit diesen Sachen verfahren soll. Erkenntnis ist auf jeden Fall der erste Schritt: Mit dem Gedanken an die ganzen Blöcke, Stifte und Notizzettel, die sich in meinem Keller stapeln, bin ich vor einigen Wochen zum ersten Mal in meinem Leben (!) an dem Schreibwaren-Sonderangebot vorbeigelaufen, ohne etwas zu kaufen. Für den Frauenkleider-Seconhand in Allach habe ich meinen Kleiderschrank ordentlich aussortiert – vier von den sieben Kleiderbügeln sind jetzt leer.

Bis zu meinem Umzug will ich Schritt für Schritt die Wohnung weiter von den Dingen befreien, die ich nicht verwende. Einen Stapel Zeitung, die ich „irgendwann mal“ lesen wollte, habe ich gestern schon entsorgt. Meine Unisachen sind sortiert, abgeheftet, Überflüssiges weggeworfen. Den Schreibtisch bin ich auch schon grob durchgegangen, mit der Erkenntnis dass ich den Excel-Kurs aus meinem Praktikum von letztem Jahr realistisch gesehen nicht nochmal machen werde. Ein paar Sachen sind auf einem Basar in meiner Pfarrei gelandet. Gut – ich habe mir auch fast 40 Bücher neu (second hand!) gekauft. Irgendwo reicht es dann auch mit Ausmisten und Minimalismus.

Aber wenn ich zu meinem Umzug ein oder zwei Kisten weniger schleppen muss und in der neuen Wohnung den ein oder anderen Gegenstand weniger abstauben muss, dann ist schon einiges gewonnen. Klar, es macht mir immer noch irgendwie Angst, zu viel wegzuwerfen. Es gibt Dinge (Bücher… 😉 ) auf die ich nicht verzichten will. Mein Partner und ich witzeln manchmal, dass wir eigentlich gar keine neue Wohung brauchen – in Neuseeland sind wir drei Monate mit einem Zelt und zwei Rucksäcken ausgekommen – aber irgendwo gibt Besitz dann auch Sicherheit, Auswahl, Bequemlichkeit. Ich bewundere Menschen, die dem gegenüber so gelassen sind. Selber möchte ich mich noch weiter in diese Richtung entwickeln – aber eins nach dem anderen, Schritt für Schritt. Mal sehen, wie das geht 🙂

 

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Ein Gedanke zu “Ausmisten macht mir Angst

  1. Pingback: Backpacking – Meine Not-To-Pack-Liste | Grünes Element

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