Werbung? Nein danke.

Jeder zweite gefällte Baum wird zu Papier verarbeitet. Das meiste Papier in Deutschland wird für Presse und Werbung verbraucht. Tatsächlich: jede Woche landen unzählige Prospekte und Flyer in meinem Briefkasten, die ich sofort in den Müll werfe. Dabei braucht es nur eine Viertelstunde Zeit, um etwas dagegen zu unternehmen.

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Letzte Woche habe ich euch davon erzählt, wie rund es momentan bei mir zugeht und dass ich – in der Quintessenz – zu überhaupt nichts mehr komme. Deswegen habe ich mich fürs Erste darauf verlegt, ganz kleine, aber konkrete Schritte zu unternehmen, die wirklich etwas bewirken. Die Welt im Großen und Ganzen retten… kommt noch.

Als ich einen Tag nach meinem letzten Artikel in der UBahn saß, habe ich in Julia Posts Buch „Besser machen statt besser wissen“ gelesen. Dabei bin ich über eine Zeile gestolpert, die mich hat stutzen lassen: „Im Jahr 2015 haben wir pro Kopf rund 250 Kilogramm Papier verbraucht. Die zwei größten Posten sind dabei Druck- und Pressepapiere, etwa für Zeitungen, Zeitschriften, vor allem aber Werbehefte und -kataloge, die meist ungelesen wieder im Müll landen.“ (S.30)
Tatsächlich: Alle zwei Wochen muss ich zu Hause eine Klappkiste voll Papier zur Tonne bringen. Obwohl ich unglaublich viel von Hand schreibe, sind in der Kiste vor allem Prospekte, Broschüren und Kostenlos-Zeitungen, die bei uns eingeworfen werden. Dazu kommen noch Verpackungsmaterialien (die nächst-größte Stelle in der Statistik) und dann ein paar meiner mickrigen, doppelseitig beschriebenen Blockblätter.

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Ein winziger Auszug des wöchentlichen Mülls, der ins Haus flattert.

Dabei ist Papier eine wichtige Ressource mit beträchtlichem Umwelteinfluss. Fast jeder zweite gefällte Baum wird zu Holz verarbeitet. Dafür werden große Mengen an Wasser, Energie und Chemikalien eingesetzt. Die Unterschiede im globalen Papierverbrauch sind dabei gigantisch: Nach Einschätzungen des WWF verbraucht Deutschland alleine genausoviel Papier wie die Kontinente (!) Afrika und Südamerika zusammen (!!!). Die Verringerung des persönlichen Papierverbrauchs ist ein guter Schritt hin zu etwas mehr Zero Waste und viel mehr Umweltschutz. Nicht umsonst werden Wälder als die ‚Lungen der Erde‘ bezeichnet.

Also bin ich zu meinem Schreibwarenladen um die Ecke gegangen, habe einen „Bitte keine Werbung, Wochenzeitungen oder Anzeigenblätter“-Sticker gekauft und an meinen Briefkasten geklebt. Zeitaufwand: 15 Minuten. Kostenpunkt: 1,95€. Mehrwert für die Umwelt: etwa 30 Kilo weniger Werbeflyer pro Jahr. Dazu kommen kostenlose Zeitungen, Anzeigenblätter und Prospekte. Keine Ahnung, warum ich das nicht schon früher gemacht habe.

Außerdem habe ich mich vor Kurzem für die Arbeit zu Testzwecken auf der Seite www.werbestopper.de angemeldet, die ebenfalls verspricht, gedruckte und digitale Werbung bestimmter Unternehmen von einem fernzuhalten. Mein persönlicher Eindruck von der Seite ist etwas dubios. Besser erscheint mir dagegen die Robinson-Liste: Sie verspricht ebenfalls Schutz gegen unerwünschte Werbung, wird allerdings von einer gemeinnützigen Einrichtung getragen und wurde mir in meinem medienbezogenen Studium schon empfohlen. Wenn der Sticker nicht wirkt, können Einträge in solche Listen ebenfalls helfen, das Werbevolumen zu reduzieren. Allerdings ist es wichtig, Verstöße gegen das Werbeverbot auch zu melden, sonst kann keiner dieser Anbieter seinen Service garantieren.

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Wie effektiv die Keine-Werbung-Sticker sind? Mal sehen…

Ob und wie viel diese Schritte gegen die Flut an Werbeprospekten nutzen, wird sich zeigen. Leider sehe ich jetzt schon den Trend, dass die Zeitungen inklusive eingelegter Werbung nicht mehr in die (größtenteils bestickerten) Briefkästen geworfen werden, sondern einfach als Stapel vor der Haustür abgelegt werden. Das ist doppelt unschön, weil so die Ablehnung der Werbung nicht an die Produzenten weitergereicht wird und das Papier wild durch die Gegend fliegt und in Büschen und Sträuchern hängen bleibt.

Ich bin gespannt darauf, wie sich das in den nächsten Wochen entwickelt. Fürs Erste bin ich froh, einen kleinen, aber hoffentlich wirkungsvollen Schritt getan zu haben!

PS: Spontane Idee: Ich werde einen Stein auf den Zeitungsstapel neben der Haustür legen. Dann kann sich jeder, der will, eine nehmen, aber der Papiermüll landet wenigstens nicht mehr in den Gärten. Juhuu! 😀

Signatur Grünes Element

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4 Gedanken zu “Werbung? Nein danke.

  1. 250 Kilogramm Papier? Da sieht man wohl, dass sich die ganzen leichten Zeitungen auch im Laufe der Zeit aufsummieren. Dazu noch 300 Kilogramm Plastik pro Jahr… es gibt noch so viel zu tun. Toll, dass Du darauf aufmerksam machst!

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  2. Es ist übrigens wichtig einen Sticker zu haben auf dem: „….Wochenzeitungen oder Anzeigenblätter….“ auch explizit genannt werden. Sonst bekommt man zwar keine Werbung mehr, aber immer noch kostenlose Wochenzeitungen. Außerdem habe ich bei einer Freundin, die früher Zeitungen ausgetragen hat gemerkt, dass eine Beschwerde bei der betreffenden Zeitung tatsächlich einen Effekt hat. Die Beschwerde wird immer an die Zeitungsaustrager weitergeleitet und die wissen dann genau wo keine mehr reingeworfen werden darf, denn Sticker werden ja leider oft ignoriert

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