4 Dinge, die mich das Reisen gelehrt hat

„Traveling makes young people grow up“ ist ein französisches Sprichwort, erzählt mir eine andere Radfahrerin auf einem Zeltplatz in Taumarunui. Lange Zeit hätte ich das nicht geglaubt, doch meine erste große Reise hat mich nicht nur wachsen lassen, sondern mir auch viel beigebracht. Zum einen hat man Zeit, um über sich selbst, das Leben, die Welt (und viele mehr oder weniger philosophische Dinge) nachzudenken. Zum anderen geben die Begegnungen mit neuen Kulturen, anderen Menschen, deren Projekten und Gedanken viel Input und bringen einen selbst auf neue Ideen.
Hier gibt es eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse meiner Neuseelandreise – natürlich mit einem Fokus auf umweltbewusstes Leben 🙂

neuseeland

Reisen erweitert den Horizont 🙂

Man hat so viel und braucht so wenig.
Ein Fahrrad und ein großer Rucksack waren für drei Monate alles, was ich zum Leben gebraucht habe. Ein Platz für das Zelt hat sich immer irgendwo gefunden, Trinkwasser gab es meistens auch, und recht viel mehr als Kochgeschirr, ein paar Klamotten und ein gutes Buch brauchte man wirklich nicht. Stattdessen habe ich ganz andere Dinge zu schätzen gelernt, die mir vorher selbstverständlich vorkamen: Einfach eine warme Dusche nehmen können, Wasser in einem Wasserkocher kochen oder ein Haus zu haben, das ganz unabhängig vom Wetter immer trocken und warm ist.

rucksack

Ein Rucksack und ein Ziel – mehr braucht man manchmal gar nicht 🙂

Zurück zu Hause hat mich mein ganzer Besitz gar nicht so überwältigt wie gedacht. Stattdessen habe ich mich über die Riesenauswahl an Büchern gefreut und über eine Handcreme, aber auch nach einer Woche zu Hause hatte ich fast nichts von meinen Sachen angefasst. Klar, ein paar neue Tshirts habe ich gebraucht und mein Schreibtisch war ein Riesenchaos, aber insgesamt habe ich gemerkt, wie wenig man tatsächlich benutzt. Deswegen habe ich meinen Umzug zum Anlass genommen, um noch einmal richtig auszumisten. Mir geht es nicht einmal um Minimalismus, sondern nur darum nichts Überflüssiges zu haben.
Ein gut sortiertes Bücherregal ist für mich zum Beispiel nicht überflüssig, auch wenn ich dadurch mehr als 100 oder 1.000 Gegenstände in meinem Leben habe. Andererseits bedeutet weniger Besitz auch mehr Platz, den man anderweitig nutzen kann, weniger Aufwand, alles in Schuss zu halten und vor allem weniger Konsum, weniger Umweltbelastung und mehr Geld, das in schöne Aktivitäten investiert werden kann.

Ich habe eine engere Bindung zur Natur.
Seit dieser dreimonatigen Fahrradtour liebe ich es einfach, draußen zu sein. Ich versuche inzwischen aktiv, jeden Tag nach draußen zu gehen, um mich fit zu halten, in der Natur zu sein und meine Zeit mit umweltfreundlichen Aktivitäten zu verbringen. Dass Sport mit Freunden im Freien weniger Strom verbraucht als vor dem PC sitzen ist klar, oder? 😉
Außerdem habe ich in Neuseeland hin und wieder Fleisch gegessen, ich habe Muscheln gesammelt und zubereitet und inzwischen möchte ich unbedingt lernen, wie man z.B. einen ganzen Fisch tötet und ausnimmt. Wie passt das zusammen?
Ich denke, es hängt mit der Wertschätzung von Fleisch oder Meeresfrüchten zusammen. Dort konnten wir sehen, wie die Tiere leben oder die Muscheln wachsen, wie sie verarbeitet werden, aber auch was im Gegenzug der Natur zurückgegeben wird. Außer für Hühner gibt es in Neuseeland keine Ställe, die Tiere sind das ganze Jahr über auf Weiden, die weder gedüngt noch anderweitig bewirtschaftet werden. Es ist ein sehr natürlicher Kreislauf, der die Natur nur bedingt negativ beeinträchtig.
Bei einer Kayaktour konnten wir vom Boot aus Miesmuscheln von Felsen direkt aus dem Meer ernten und noch am selben Abend zubereiten. Dieses Essen hat keinen CO2-Ausstoß produziert, es hatte keinen Transportweg, keine Verpackungen und brauchte keinen Dünger. Auch nachdem wir eine Hand voll Muscheln weggenommen haben, waren noch mehr als genug da, damit sich die Population von selbst wieder erholt. Ich denke, dass man auf jedem Fall mit dem arbeiten sollte, was die Natur einem bietet, solange man sich nur das nimmt, was man braucht. So erhält man natürliches, frisches, unverarbeitetes Essen mit möglichst geringem Umwelteinfluss.

seafood

Seafood vom Allerfeinsten

Andererseits muss jedem bewusst sein, dass für Fleisch oder Fisch Tiere getötet werden müssen. Deswegen ist es nur konsequent, sich auch mit dem Prozess des Tötens und der Weiterverarbeitung auseinanderzusetzen. Für mich hängt das mit der Wertschätzung gegenüber dem Tier zusammen. Wer grundlegende Fertigkeiten der Verarbeitung nicht kennt, kann Chancen wie die Muscheln aus dem Meer nicht nutzen. Und ob man für das Fleisch, das man isst, ein Tier auch wirklich selbst töten könnte, sollte sich in meinen Augen jeder einmal überlegen.
Zurück in Deutschland hat sich natürlich einiges verändert. Ich esse kein Fleisch oder Meeresfrüchte mehr, einfach weil sich mir hier diese äußerst nachhaltigen Methoden der Nahrungsbeschaffung nicht bieten. Wenn sich mir aber die Möglichkeit bietet, würde ich das auf jeden Fall noch einmal tun.

Es gibt überall Hoffnung.
Gut, das klingt vielleicht etwas zu dramatisch. Aber egal wo ich auf meinen Reisen war, habe ich immer Projekte und Aktionen gefunden, die zum Umweltschutz beitragen. Es fing an verschiedensten Flughäfen an, die alle kostenlose Trinkwasserspender hatten, an denen man Becher oder eigene Flaschen wieder auffüllen konnte. In Neuseeland konnten wir bei einem privaten Renaturalization-Projekt mithelfen, bei dem die natürliche Vegetation der Gegend wiederhergestellt werden sollte, um heimischen Arten einen guten Lebensraum zu bieten. Inzwischen hat dieses Gebiet eine der größten Kiwi-Populationen in ganz Neuseeland. Auch in der Großstadt Wellington haben sich einige Engagierte zusammengetan, um auf den Hügeln um die Stadt Unkraut zu jäten und heimische Pflanzen wiederanzusiedeln. Von meinen Erfahrungen bei diesen Projekten werde ich auch noch erzählen 🙂

christchurch-street-art

Eventuell muss man ranzoomen, um den Sinn des Bildes zu erkennen… Aber das Umweltbewusstsein wächst, überall auf der Welt. (Streetart in Christchurch)

Manchmal musste man die Augen offen halten, um zwischen den ganzen Plastiktüten und Autos auch noch ein bisschen Hoffnung für die Umwelt zu finden, aber ich habe gelernt: Wir sind nicht allein. Überall auf der Welt gibt es Menschen, die sich mit so viel Kraft und Elan für ihre Projekte zum Umweltschutz einsetzen, und das hat mich wirklich inspiriert.

Die meisten Schranken beginnen im Kopf.
Zugegeben, diese „Weißheit“ hat nicht wirklich mit Umweltschutz zu tun. Ganz allgemein habe ich aber gelernt, dass oft nur die Angst vor etwas dir im Weg steht. So oft hat mir nicht die Kraft gefehlt, mein Fahrrad mit dem ganzen Gepäck eine 400-Meter-Steigung nach oben zu bringen. Es war die Angst, diesen **** Hügel nicht zuschaffen, die den Puls nach oben treibt und die Muskeln schwer werden lässt.
Erst nach fast zwei Monaten auf dem Rad konnte ich mir dann sagen: „Du hast bis hierhin jeden Berg geschafft, den Rest packst du auch noch.“ Ohne belastende Gedanken im Hinterkopf ging tatsächlich alles gleich einfacher.

nz-strasen

Habe ich schon erwähnt, dass NZ berühmt ist für seine Berge und tollen Backcountry Roads? Davor kanns einen schonmal gruseln 😉

Geholfen hat auch die neuseeländische Gelassenheit. Wenn wir einen Fehler gemacht haben, uns verfahren hatten oder irgendetwas schief gegangen ist, war immer jemand da, der uns aus der Patsche geholfen hat. Ganz allgemein gibt es dort eine große Kultur des Probierens und Experimentierens mit dem Gedanken, einfach mal etwas zu wagen, und wenn es dann schief geht, heißt es trotzdem: No worries, it’s all good.
Deswegen zum Schluss mein Plädoyer: Wenn man es schafft, sich von der Angst vor egal was zu befreien, fallen so viele Beschränkungen von einem ab. Es setzt Kräfte frei, die du vorher vielleicht gar nicht gekannt hast, und plötzlich erscheint vieles möglich, von dem man vorher noch nicht einmal geträumt hat… 🙂

Ganz insgesamt hoffe ich, etwas neuseeländische Gelassenheit, Lebensfreude und Naturgebundenheit mitgebracht zu haben. Auf dieser Reise hatte ich den Platz, Neues auszuprobieren, Fehler zu machen, zu lernen und wachsen. Jetzt lässt mich meine Fahrradtour mit vielen Ideen, Vorstellungen und Projekte zurück, auf die ich mich so freue, sie umzusetzen!

Ging es euch schon einmal ähnlich? Was war das Wichtigste, das ihr auf Reisen oder im Ausland gelernt habt? Lasst es mich in den Kommentaren wissen 🙂

Alles Liebe, Franziska
Signatur Grünes Element

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3 Gedanken zu “4 Dinge, die mich das Reisen gelehrt hat

  1. Wow, das ist ein schöner Beitrag! Und mit ganz viel Lebensweisheit gewürzt! 😀
    Meine kleine Lektion, die ich damals gelernt habe: Zum Reisen braucht es nicht mal ein Ziel. Die schönsten Abenteuer erlebt man auf den Umwegen 😉

    Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Wieso der Umzug eine tolle Chance zum Entrümpeln ist | Grünes Element

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