Erfahrungen mit der Haarseife

Haarseife ist eine tolle, verpackungsfreie Alternative zu konventionellem Shampoo. Allerdings ist der Umstieg für einige nicht ganz einfach. Doch es gibt einige Tipps, wie das Ganze möglichst schnell und unkompliziert funktioniert. In diesem Beitrag verrate ich, wie man am besten auf Haarseife umsteigt und welche Vor- und Nachteile sie für die Umwelt hat.

haarseife

Bisher meine Lieblings-Haarseife 🙂 Henna von Savion

Haarseifen sind normale Seifen, die in Sachen Überfettung und Zusätzen wie ätherischen Ölen perfekt auf die Haare abgestimmt sind. Sie sind fest, müssen nicht verpackt werden und sind leicht zu transportieren. Im Gegensatz zu Shampoo waschen sie nicht mit Tensiden, die Dispersion ermöglichen und damit eine hohe Waschleistung haben, aber gleichzeitig auch die Oberflächenspannung von Substanzen herabsetzen. Nach Einschätzung meiner Freundin, einer angehenden Biologin, sind Tenside für die Umwelt deutlich schädlicher als die Stoffe, mit denen Haarseifen arbeiten. Andere Quellen für diesen Vergleich konnte ich nicht finden. [Edit: Haarseifen enthalten nach dem Fertigungsprozess kein NaOH mehr, sondern nur noch abreagierte Natrium- oder Kaliumsalze.] In diesem Aspekt wäre Haarseifen also umweltfreundlicher. Es muss aber auch bedacht werden, dass nicht jeder das Glück hat, in der Nähe eines Ladens zu wohnen, wo man Haarseifen einfach so bekommt. Wenn die Produkte im Internet bestellt und über weite Strecken geliefert werden müssen, gibt das Abzüge für die Umweltbilanz.

Die Haarseifen waschen das natürliche Sebum (Fett) weniger stark von der Kopfhaut und wirken leicht rückfettend. Das trägt dazu bei, dass sich die Haare mehr selbst regulieren und auf lange Sicht weniger fetten. Wenn durch Shampoo jegliches Sebum von der Kopfhaut gewaschen wird, gibt das das Signal an die Haare, möglichst schnell nachzufetten, weil die Kopfhaut ja trocken ist. Wegen der fettigen Haare wird dann eher wieder gewaschen und so weiter und so fort… Haarseife kann dabei helfen, diesen Kreislauf zu durchbrechen. Wenn sich die Haare verstärkt selbst regulieren, sind sie deutlich kräftiger, weniger fizzelig und zumindest bei mir schöner 🙂

Die Umstellung bereitet aber einigen Menschen Probleme. Gerade am Anfang sehen die Haare oft sehr fettig aus, weil die Seife weniger Fett auswäscht, aber die Kopfhaut noch heftig nachfettet. Kleinere Hindernisse sind eine Art Staubfett beim Auskämmen oder zu basische Haare oder Kopfhaut.

Es gibt aber Lösungen, die den Umstieg auf diese umweltfreundliche Alternative leichter gestalten:

  • Vor dem Waschen kämmen – Haarseife hat keine Wirkung wie Spülung, die Haare lassen sich danach nicht so gut auskämmen. Deswegen lieber davor einmal gut bürsten, dann geht es danach leichter.
  • Haarseife gut ausspülen – Reste der Seife in den Haaren wirken schnell fettig und beschweren die Haare. Das Wasser ist beim Ausspülen leicht milchig, daran kann man das gut erkennen.
  • Saure Rinse verwenden – Ich persönlich mache es nicht, aber eine Rinse aus 1 EL Apfelessig oder Zitronensaft auf 1/2 Liter Wasser soll den Haaren gut tun. Nach dem Waschen sind Kopfhaut und Haare angeblich zu stark basisch, das soll durch die Rinse ausgeglichen werden. Rinse nicht ausspülen.
  • Haare viel kämmen – das A und O, wirklich. Durch regelmäßiges Bürsten, gerne auch mal in eine andere Richtung als sonst oder überkopf, verteilt sich das Sebum langsam aber sicher bis in die Spitzen. Die Haare werden kräftiger und geschmeidiger. Sie fetten langsamer nach.
  • Mutig sein – Wenn man einen Tag mal zu Hause bleiben kann, sollte man sich trauen, die Haare fettiger werden zu lassen als normal. Das beschleunigt den Prozess der Selbstregulierung, und es sieht ja keiner.
  • Einmal ist keinmal – Die Umstellungszeit ist abhängig von der Person. Irgendwann bekommt man aber ein Gefühl dafür, wann es geschafft ist. Wenn man danach selten – zum Beispiel beim Friseurbesuch – noch mit konventionellem Shampoo wäscht, ist das kein Problem. Die Haare sind stabil genug und werden dadurch nicht irritiert. Mehrmaliges heftiges Waschen mit Shampoo führt dazu, dass alles wieder von vorne losgeht, beim zweiten Mal geht die Umstellung aber deutlich schneller.
  • Wer sucht, der findet – Manchmal braucht es etwas Zeit, bis man die richtige Seife für seinen Haartyp gefunden hat. Der Grad der Überfettung und andere Inhaltsstoffe können die Wirkung auf die Haare verändern. Hier muss man einfach experimentieren, bis man seine Haarseife gefunden hat.

haarseife-henna

Nach sechs Wochen sollte die Umstellung in weiten Teilen vollzogen sein. Um den Prozess nachvollziehbarer zu machen, habe ich Buch geführt, was mit meinen Haaren während der Umstellung passiert ist. Meine Haare sind sehr fein und mittellang.

  1. Woche: Meine Haare wirken dicker, dunkler, sie fliegen weniger, gefühlt habe ich auch weniger Spliss.
  2. Woche: Genau wie in Woche 1, nur entwickelt sich jetzt der Dino-Look, kennt ihr das? Wenn man die Haare fest in einen Pferdeschwanz binden will, stehen oben am Kopf immer ein paar ab… naja.
  3. Woche: Ich bin kein Dino mehr! Juhuu!
  4. Woche: Seit ein paar Tagen bemerke ich so etwas wie grauen Staub in meiner Bürste. Das Fett oder Sebum von der Kopfhaut wird mit der Bürste in die Längen der Haare verteilt, ein Teil davon bleibt zwischen den Borsten hängen. Meine Haare wirken nicht fettig, aber ich muss die Bürste nach jedem Benutzen mit Wasser, Seife und Fingern, Kamm oder Nagelbürste waschen.
  5. Woche: Der seltsame Staub wird weniger. Ich habe zum ersten Mal eine saure Rinse probiert und keinen Unterschied festgestellt. Ein Mal habe ich nur mit Wasser gewaschen, ein Mal beim Frisör mit konventionellem Shampoo: Nichts davon hatte einen Einfluss.
  6. Woche: Keine nennenswerten Veränderungen. Ich mag meine Haare.
  7. Woche: Immer weniger Sebum in der Bürste. Meine Haare sehen inzwischen echt lange toll aus, die Waschabstände werden immer größer.
  8. Woche: Langsam pendelt sich alles ein. Ich wasche meine Haare zwei Mal die Woche und es funktioniert super.

Inzwischen benutze ich seit einem halben Jahr Haarseife und bin wirklich sehr zufrieden damit. Wenn sich die Haare einmal an die neue Waschsubstanz gewöhnt haben geht es ihnen wirklich gut, sie wachsen schön kräftig und sehen gut aus. Durch kleine Schwankungen, wie mal nur mit Wasser oder mal mit normalem Shampoo waschen kommt man auch nicht aus dem Takt. Ich kann die Haarseife als plastikfreie und umweltfreundliche Alternative zu Shampoo wirklich nur empfehlen.

Franziska
Signatur Grünes Element

Merken

Advertisements

Ein Gedanke zu “Erfahrungen mit der Haarseife

  1. Spannender Bericht. Ich denke auch darüber nach einmal Haarseife zu testen. Jetzt gerade bin ich erst einmal dabei auf Seife statt Duschgel umzusteigen. Ich bin noch nicht zufrieden, weil meine Haut hinterher doch sehr spannt. Mal sehen. Vielleicht wage ich irgendwann den Schritt zur Haarseife.
    LG Jacqueline

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s