#Review: Landraub – Zwischen Kleinbauern und Megafarmen

Landwirtschaftliche Nutzflächen sind heute mehr denn je ein knappes Gut. Durch Erosion und Flächenversiegelung werden weite Landstriche unbrauchbar. Alternativen müssen her. Damit beschäftigt sich Kurt Langbeins Film Landraub.

Landraub_Mönch

Der Mönch aus Kambodscha kämpft gegen Landraub durch Großkonzerne. Quelle: http://www.landraub.com

In 95 Minuten begleitet der Filmemacher einen kambodianischen Mönch, der gegen Landraub protestiert, führt durch abgeholzten Urwald, zeigt Palmölplantagen und Mega-Gewächshäuser in Afrika. Immer wieder kommt er aber auch zurück nach Europa, vor allem nach Brüssel, das er für viele Fehlentwicklungen mit verantwortlich macht. Landraub spricht mit Agrarinvestoren und zeigt gleichzeitig, wie Bulldozer die Hütten der Einwohner in den Boden stampfen. Die Produkte dieser Flächen bleiben nicht in den regionalen Gebieten, sondern werden weltweit exportiert. Der Film zeigt hunderte Vertriebene, die ohne eigenes Land nur durch Hilfe buddhistischer Mönche überleben können.  Er liefert Einblicke in westlichen Luxus in Supermärkten und Edelhotels in Dubai. Tanzende Menschen feiern die Investition in ihr Gebiet und die Hoffnung auf Verbesserung, verzweifelte Menschen stehen vor einem unbrauchbaren Fluss, durch Dünger und Pestizide vergiftet.

Gleichzeitig lässt Landraub viel Raum, um eigene Gedanken zu entwickeln. Der Film verurteilt nicht und nennt keine Schuldigen, sondern stellt Meinungen von Investoren und Betroffenen gegenüber. Problematische Themen werden dennoch angeschnitten: Bauern, die Angst haben,  die Verkaufsverträge für ihr Land nicht zu unterschreiben. Arbeiterinnen, die durch den Verlust ihres Landes in eine fatale Abhängigkeit von Investoren geraten sind. Politiker in Brüssel, die Produkte von offenkundig geraubten Gebieten nicht nur erlauben, sondern als Entwicklungshilfe weiter subventionieren. Investoren, die Wälder niederbrennen, um Ethanol zu produzieren, das europäische Kraftstoffe umweltfreundlicher machen soll. Großfarmer, die nur vermeintlich produktiver sind. Wo Kleinbauern zehnmal so viel Energie produzieren wie sie in die Nahrungsmittelerzeugung stecken, verbraucht industrielle Landwirtschaft das Zehnfache an Energie, das sie erzeugt. Mit Unterstützung von Regierung und durch Weiterbildungsmaßnahmen könnten diese Bauern ihren Ertrag auch weiter erhöhen und gegen Wetterschwankungen absichern.

Für Menschen, die einen einfachen Einstieg in den Komplex von Nahrungsproduktion – Nutzflächen – Bevölkerungswachstum suchen, ist Landraub ein empfehlenswerter Film. Wer sich bereits mit diesem Thema auseinandergesetzt hat, wird kaum neue Informationen finden. Eindrucksvolle Aufnahmen von Palmölplantagen bis an den Horizont oder Megatraktoren, die Staubwolken auf trockenen Feldern aufwirbeln, versprechen auf großer Leinwand ein wertvolles Filmerlebnis. Gleichzeitig ist der Film aber durchsetzt von szenischen Aufnahmen und nicht erklärten Bildern, die Verwirrung stiften und die Handlung in die Länge ziehen.

Für eine informative Doku fehlt es an Informationen. Für einen Film, der aufrüttelt und bewegt, fehlen die scharfen Kontraste, der schnelle Schnitt zwischen Luxus in Dubai und zerstörter Existenz in Kambodscha. Der Film hat Bilder, die betroffen machen, aber er bietet keine Handlungsalternative. Man sitzt ratlos da und fragt sich: Und jetzt? So bleibt der Film stecken, irgendwo zwischen endlosen Palmölplantagen, szenischen Bildern von Dorfbewohnern und dem weißen Europäer, der am Ende doch wieder erklärt, wie die Welt zu funktionieren hat: Alle Macht den Kleinbauern.

Signatur Grünes Element

Advertisements

Ein Gedanke zu “#Review: Landraub – Zwischen Kleinbauern und Megafarmen

  1. Pingback: 1 Jahr Grünes Element! | Grünes Element

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s