Olympia 2016: Im Zeichen der Nachhaltigkeit?

Vor einigen Wochen sind die Olympischen Spiele 2016 in Rio zu Ende gegangen. Dieses Olympia stand ganz im Sinne der Nachhaltigkeit: Schon bei der Eröffnungsfeier wurden Pflanzen als Zeichen für ökologische Entwicklung mit ins Stadium getragen. Aber konnten die Spiele den Anspruch an sich selbst erfüllen? Oder blieb Rio hinter den nachhaltigen Zielen zurück?

Waren die Spiele 2016 wirklich im Zeichen der Nachhaltigkeit? Oder waren die hohen Ambitionen doch nur heiße Luft?

Waren die Spiele 2016 wirklich im Zeichen der Nachhaltigkeit? Oder waren die hohen Ambitionen doch nur heiße Luft? //Foto: Andre Luiz Mello

Nach dem Deutschen Olympischen Sportbund sollten alle sportlichen Großveranstaltungen auf Nachhaltigkeit hin ausgerichtet sein. Dafür empfielt der DOSB:

  • bereits vorhandene Sportstätten zu nutzen,
  • bei Neubau einen Fokus auf Nachnutzung und Nutzen für die lokale Bevölkerung legen
  • und, wenn das nicht möglich ist, Sportstätten nur temporär zu errichten.
  • Außerdem sollen Veranstaltungen Fortschitt für die Stadt- und Regionalentwicklung erzielen.

Neben dem Bau von Sportstätten waren auch der allgemeine Verbrauch von Ressourcen und der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid wichtige Kontrollpunkte für die Olympischen Spiele in Rio. Dass den Planern von Rio ökologische Spiele ein Anliegen waren, zeigt sich in der großen strategischen Planung und den vielen Nachhaltigkeitsberichten. Außerdem ist „Planet“ eine von drei erklärten Nachhaltigkeitssäulen der Spiele. Auf dem richtigen Weg ist Rio auf jeden Fall: Die Spiele erfüllen die ISO 20.121 zum Sustainable Event Management und sind damit als nachhaltig zertifiziert.

Gebäude und Veranstaltungsorte

Von den Veranstaltungsorten für die Sportveranstaltungen wurden drei neu gebaut, drei erfuhren ein „Overlay“ (eine Generalüberholung? Einen Aufbau?) und acht Sportstätten existierten bereits und wurden bloß renoviert. Wobei eine Renovierung für Verwirrung sorgte: So wurde das legendäre Maracana-Stadium der WM 2014 umfangreich renoviert. Wieso das nach nur zwei Jahren Nutzung nötig ist, fragt man sich schon. Nachhaltig ist das auf jeden Fall nicht.

Bei neuen Gebäuden war das Ziel, mit umweltfreundlichen Materialen zu bauen. Ein Paradebeispiel ist das Büro des Rio 2016 Committees, dass neu gebaut wurde und nach der Benutzung wieder abgebaut wird. 80% der Rohstoffe sollen danach weiter verwendet werden können.

Weniger sinnvoll erscheint der neue Golfplatz, der in einem Naturschutzgebiet gebaut wurde. Die Verantwortlichen rechtfertigen das dadurch, dass das Gebiet nur wenig natürliche Vegetation aufwies und diese geschützt wurde. Insgesamt sollen die Bedingungen für die Natur durch den Golfplatz sogar verbessert worden sein. Nach den Spielen wird der Platz öffentlich, wonach er den Empfehlungen des DOSB entspricht, allerdings stellt sich die Frage, ob dieser vierte Golfplatz bei drei schon existierenden wirklich notwenig gewesen wäre.

Verbrauch von Ressourcen und Müll

Die Veranstalter sprechen von 30 Millionen Gegenständen, die gekauft oder gemietet wurden. Holz und Papier müssen aus recycletem Material oder aus FSC-zertifizierten Beständen hergestellt worden sein. Für Verpackungen sollten wann immer möglich recyclete und recyclebare Materialien verwendet werden.

Neben Gegenständen wurden 14 Millionen Mahlzeiten serviert. Für Fleisch und Milch wurden Betriebe ausgewählt, die ein Abkommen zur Zero Deforestation, also Null Abholzung, unterschrieben haben. Fische und Meeresfrüchte sollten alle MSC- oder ASC-zertifiziert sein. Zur Zeit der Erstellung des Berichts (2015) gab es allerdings noch nicht genügend zertifizierten Fisch, um den Bedarf zu erfüllen.

Gleichzeitig werden Essen und Getränke 80% des Abfalls darstellen. Die Veranstalter erwarten etwa 17 Millionen Tonnen Müll. So viel wie möglich soll vermieden oder kompostiert werden.

Dass Rio ein Müllproblem hat, zeigte sich in der Guanabara Bay, in der unter anderem Ruder- und Segelwettbewerbe stattgefunden haben. Im Vorfeld beschwerten sich Sportler über Müll, tote Tiere und Viren im Wasser. Im Januar 2016 sorgte ein Massensterben von Fischen in der Bucht für Aufsehen. Das Wasser dort ist dreckig, weil viele Abwässer ungeklärt ins Meer geleitet wurden. Zur Bekämpfung des Mülls wurden Barrieren an Flussmündungen installiert und Boote ausgeschickt, um das Wasser zu säubern. Das gelang jedoch nur teilweise.

Ob die olypmische Fackel nicht nur den Sportsgeist, sondern auch ein ökologischeres Bewusstsein nach Rio getragen hat, wird erst die Zukunft zeigen. //Foto: Andre Luiz Mello

Ob die olypmische Fackel nicht nur den Sportsgeist, sondern auch ein ökologischeres Bewusstsein nach Rio getragen hat, wird erst die Zukunft zeigen. //Foto: Andre Luiz Mello

Kohlenstoffdioxid und Klimafolgen

Die Olympischen Spiele produzierten 3,6 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten. Mit verantwortlich waren unter anderem der Energieverbrauch von 29,5 Gigawattstunde. Da Brasilien aber 45% erneuerbare Energien verwendet, fällt das nicht so sehr ins Gewicht. Der größte Anteil (39%) stammt von der An- und Abreise der Zuschauer. Die Veranstalter wollen CO2-Äquivalenten einsparen durch sinnvolle Planung von Energie und Transport, durch das Verwenden von nachhaltigen Materialien beim Bauen und durch alternative, nicht fossile Energieträger. Die entstandenen klimawirksamen Gase sollen durch Investitionen in Klimaschutzprojekte zumindest teilweise wieder ausgeglichen werden.

Fazit

Insgesamt fällt auf, dass die Nachhaltigkeit verstärkt in den Fokus der Veranstalter rückt. Es wird im Voraus viel geplant, bedacht und hohe Ziele gesteckt. Es gibt wie immer vieles, was bei dieser Großveranstaltung nicht geklappt hat: Der Golfplatz wäre in meinen Augen nicht nötig gewesen und viel Müll, Energie und Ressourcen wurden ausgestoßen und verbraucht.
Gleichzeitig lassen die Spiele verbesserte Infrastruktur, zum Beispiel in öffentlichen Verkehrsmitteln zurück, die hoffentlich einen langfristig positiven Einfluss haben werden. Ein abschließendes Fazit zu den Olympischen Spielen 2016 lässt sich zum jetztigen Zeitpunkt jedoch nur schwer treffen. Dies liegt unter anderem daran, dass die sehr transparenten Berichte der Veranstalter maximal bis 2015 reichen. Nachberichte mit fundierten Zahlen und Evaluierung der gesetzten Ziele gibt es zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht.
Erst wenn es diese gibt, wird sich sagen lassen, ob die Spiele in Rio wirklich nachhaltig waren oder doch nur ein grünes Image übergestülpt bekommen haben. Es lässt sich jedoch festhalten, dass Ökologie und Nachhaltigkeit für die Ausrichter der Spieler viel wichtiger geworden sind und  zumindest Anstrengungen übernommen werden, den Fußabdruck solcher Großveranstaltungen klein zu halten. Es bleibt, auf eine Weiterentwicklung dieses Trends zu hoffen, bis es gelingt, sportliche Großveranstaltungen komplett nachhaltig abzuhalten.

Franziska
Signatur Grünes Element

Bilder: https://www.rio2016.com/en/press

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