Mein neues altes Handy

Mein geliebtes, altes, jahrelang störungsfrei genutztes, nicht internetfähiges Handy ist kaputt gegangen. Also was jetzt? Ein Smartphone kaufen? Doch lieber ein uraltes Nokia? Vielleicht ein Fairphone? Neu oder gebraucht?
Natürlich sollte meine Entscheidung umweltfreundlich sein, aber gleichzeitig auch erschwinglich und meinen Seelenfrieden erhalten.

Handys

Konventionell steht nicht zur Diskussion

Ein neues, konventionelles Smartphone kam für mich nicht in Frage. Die Umweltbelastung bei der Produktion neuer Smartphones ist enorm. Neben hohem Stromverbrauch sind vor allem die Inhaltsstoffe entscheidend (vgl. Sheet 2, S. 1). Für Handys und Smartphones werden viele verschiedene Metalle und seltene Erden benötigt. Diese werden im seltestensten Fall nachhaltig abgebaut, sondern verschmutzen Gewässer und zerstören lokale Ökosysteme. Die Weiterverarbeitung stößt große Mengen CO2 aus. Fast schlimmer ist aber der soziale Faktor: Der Kampf um seltene Rohstoffe ist unter anderem für gewaltsame Konflikte verantwortlich, die Menschen in den Minen arbeiten unter den schlimmsten Bedingungen und werden schlecht bezahlt. Dieses System will ich definitiv nicht unterstüzen.

Minimalistisch für den Seelenfrieden?

Also kein Smartphone, sondern ein ganz altes Handy? Die einfachere Funktionsweise führt zu weniger Stromverbrauch, es werden auch weniger Rohstoffe verbraucht. Bislang bin ich auch immer gut ausgekommen mit einem Handy, das Telefonieren und SMS schreiben kann. Tetris ging auch noch, mehr nicht. Aber ganz ehrlich: So viele Leute haben inzwischen ein Smartphone, das es fast schon Pflicht ist. Für mich als Blogger ist es natürlich noch einmal viel einfacher, mit einem guten Smartphone ständig eine Kamera dabei zu haben und die Fotos direkt ins Internet laden zu können. Ein Traum!
[So viel kann ich schon verraten: Es ist ein Smartphone geworden, ich liebe es und habe jetzt auch einen tollen Instagramaccount: grueneselement 🙂 Schaut doch mal vorbei!]
Gleichzeitig will ich nicht unter den Fluch der Smombies fallen und STÄNDIG auf mein Handy schauen müssen, beim Essen mit Freunden, während ich arbeiten sollte, im Auto, in der Uni… Deswegen habe ich mir um meiner Seelenruhe willen einige Regeln auferlegt: Es gibt kein mobiles Internet, keinen Facebook-Messenger und kein WhatsApp. Bisher ging es auch immer ohne. Mein Handy klingelt nicht ständig, nervt mich nicht und frisst keinen übermäßig großen Anteil meiner Zeit. Soweit bin ich ganz zufrieden.

Neu und sozial oder öko und gebraucht?

Die wichtigste Entscheidung fiel für mich zwischen einem konventionellen Smartphone, aber gebraucht gekauft, oder dem Fairphone.

Das Fairphone ist ein sozial vertretbar hergestelltes Smartphone, das eigentlich alles kann, was ein Smartphone so können muss. Der Abbau der Rohstoffe ist umweltverträglich, die Arbeiter werden fair bezahlt, auf ihre Gesundheit und Sicherheit wird geachtet. Kinderarbeit gibt es laut Hersteller nicht. Außerdem ist das Fairphone modular aufgebaut. Das bedeutet, dass einzelne Bestandteile, wie zum Beispiel die Kamera, problemlos ersetzt werden können, ohne dass das ganze Handy in den Müll muss. Dagegen spricht für mich, dass zwar die sozialen Schäden begrenzt sind, aber trotzdem noch neue Rohstoffe abgebaut und in das Fairphone gesteckt werden. Auch den hohen Energieverbrauch gibt es nach wie vor.
Ausschlaggebend war für mich (leider) der Preis. Dass sozial verträgliche Arbeit ihren Preis hat, ist klar, aber über 500 € für ein Smartphone sind bei mir momentan nicht drin. Ich plane im September eine große Reise und dafür werde ich das brauchen. Wenn das Geld irgendwann mal kein so großer Faktor mehr ist, werde ich mir die Frage: Gebrauchtes Smartphone oder Fairphone? aber definitiv noch einmal stellen.

Handy - gebrauch t gekauft

An den Ecken des Smartphones erkennt man die ‚deutlichen Gebrauchsspuren‘. Für mich sind sie aber durchaus zu verkraften, das Handy funktioniert ja.

Für den Moment habe ich mich für ein gebrauchtes Smartphone entschieden. Die wichtigsten Pro-Faktoren waren für mich, dass auf der einen Seite keine neuen seltenen Rohstoffe für mich abgebaut werden müssen, kaum Energie verbraucht und wenig Wasser verschutzt wird, keine Arbeiter leiden müssen und auf der anderen Seite „Müll“ vermieden wird. Klar war Geld auch wieder ein Faktor, ich habe jetzt etwas über 100 € ausgegeben. Im Online-Shop habe ich ein Handy mit „deutlichen Gebrauchsspuren“ ausgewählt. I<n meinem Fall war der Lack an den Ecken leicht abgesplittert. Das Smartphone funktioniert einwandfrei und so eitel bin ich nicht, dass mich ein paar kleine Kratzer stören würden.

Für mich habe ich mit einem gebrauchten Smartphone die richtige Wahl getroffen und ich denke, auch aus ökologischer Sicht war das nicht die schlechteste Entscheidung. Jetzt ist es mir wichtig, sorgsam mit dem Gerät umzugehen, damit es möglichst lange hält und in dieser Zeit keine weiteren Rohstoffe verbraucht.

Wohin mit kaputten Handys?

Ich bin ziemlich stolz darauf, dass das mit 21 ‚erst‘ mein drittes Handy ist. Die anderen beiden habe ich noch. Eins werde ich als Backup-Handy behalten, aber was mache ich mit dem Überzähligen?
Ich möchte, dass das Handy so gut wie möglich recyclet wird, um weitere Ressourcen zu schonen und den umweltschädlichen Neuabbau möglichst zu vermeiden. Bei meiner Recherche bin ich auf zwei Anbieter gestoßen, die unter verschiedenen Bedingungen bei Electroreturn mitmachen. Beide ermöglichen es, gebrauchte Handys kostenfrei per Post zu verschicken. Klar werden dann Firmen damit Geld machen und man weiß nicht wirklich, was mit den Rohstoffen passiert, aber immerhin ist das Ding dann weg und die Rohstoffe fließen zurück in einen Recyclingkreislauf.
Die Deutsche Post möchte die Handys ohne Sim-Karte und Akku versandt haben. Die Initiative HandysfürdieUmwelt.de versendet ebenfalls kostenlos, auch an Electroreturn, gibt aber an, dass der Akku im Handy verbleiben soll.
Alternativ gibt es auch verschiedene lokale Sammelstellen oder Aktionen in Schulen.

Ich selbst habe noch keine der Alternativen ausprobiert und habe deshalb auch keine Erfahrungswerte. Eine Möglichkeit werde ich aber bestimmt wahrnehmen, damit mein Handy recyclet wird.

Wie handhabt ihr das mit Handys und Smartphones? Zählt für euch die Nachhaltigkeit oder doch eher Funktionalität oder Marke des Geräts?

Franziska
Signatur Grünes Element

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5 Gedanken zu “Mein neues altes Handy

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  3. Ich überlege gerade ein Fairphone zu kaufen, möchte es mir aber noch „in natura“ (haha, fast doppeldeutig) ansehen. Dann habe ich zwar keine 1A-Kamera, aber dafür kann man das Display austauschen, wenn es (wieder einmal) kaputt geht und vielleicht ist tatsächlich ein kleiner Beitrag für die Umwelt und die Menschen, die es gebaut haben, dabei 🙂

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