#5Fragen an Julia Post über das Crowdfundig von Coffee to go again

320.000 Einwegbecher landen in Deutschland jede einzelne Stunde im Müll. Durchschnittliche Nutzungszeit: 10 Minuten. Das führt zu einem unglaublichen Verbrauch von Ressourcen und Energie, verschärft das Müllproblem und beschleunigt auch den Klimawandel.

Die Initiative Coffee to go again der Münchner Studentin Julia Post unternimmt ganz konkret etwas gegen das Problem: Bürger und Politiker werden aufgeklärt, Cafés und Bäckereien werden informiert und mit dem Logo der Initiative versehen. Wo ihr den grünen Kaffeebecher auf weißem Grund seht, werden alle Getränke problemlos in mitgebrachte Becher gefüllt, oft gibt es sogar Rabatt dafür. Ich konnte Julia Post meine fünf Fragen stellen: Über Motivation und wie man ganz konkret etwas gegen große, komplexe Probleme wie den Klimawandel unternehmen kann.

Julia Post

Julia Post ist Masterstudentin der Politikwissenschaft in München und startete die Initiative Coffee to go again. Der Becher im Bild kann (so ähnlich) über das Crowdfunding erworben werden.

Was war zuerst da: Interesse für Umweltschutz im Allgemeinen oder genau für das Problem der Einweg-Kaffeebecher?

Am Anfang stand der Umweltschutz im Allgemeinen. Zuerst ist mir an mir persönlich, aber auch in der Gesellschaft eine große Ambivalenz aufgefallen: Der Kaffeebecher zum Wegwerfen wird nicht als Umweltsünde wahrgenommen. Dabei ist er für viel Verschwendung von Energie und Ressourcen verantwortlich. Aber trotz vorhandenem Umweltbewusstsein verwenden ihn viele Menschen einfach, ohne darüber nachzudenken.

Gab es einen ganz konkreten Anstoß für die Initiierung von Coffee to go again?

Ja, den gab es. Bei mir hat sich das etwa über eine Woche hingezogen. Als erstes habe ich mir einen Kaffee geholt, und mir ist das ganze Plastik daran aufgefallen: Der Deckel, der Strohhalm, ein Plastikstäbchen zum Umrühren… Ich habe mich nach einem echten Löffel umgesehen, aber es gab einfach keinen. Einen Tag später war ich dann mit meinem Thermobecher auf einem Spaziergang und habe den ganzen Müll im Gebüsch liegen sehen, auch To-Go-Becher. Mit einem Blick auf meinen Mehrwegbecher dachte ich mir, dass dieser Abfall ganz einfach zu vermeiden sei. Man muss ja nur seinen eigenen Becher mitbringen. Wenn die Cafés, die mitmachen, dann noch ein gemeinsames Logo haben, wird die Idee sogar für alle sichtbar. Diesen Aufwand habe ich mir zugetraut, und das war der Anfang von Coffee to go again.

Kurz zusammengefasst: Was genau macht Coffee to go again?

Coffee to go again ist eine private Initiative, die auf verschiedenen Stufen existiert. Die eine Stufe ist das Anbringen von Stickern mit dem Logo an Cafés und Bäckereien, die zur Initiative gehören. Das kann jeder machen, teilweise spreche ich die Cafés an, teilweise kommen sie auf mich zu. Die Sticker kann man auch bei mir bestellen und dann das Stammcafé ansprechen, ob sie nicht einsteigen. Das macht die Initiative für alle sichtbar.
Die andere Stufe ist politisch motiviert. Ich möchte Politiker und die Öffentlichkeit zum Beispiel durch Workshops informieren, um auf das Problem aufmerksam zu machen und auch auf dieser Ebene etwas zu ändern. Außerdem soll die Forschung zum Mehrweg-Thema vorangebracht werden.

Coffee to go again

Eine andere Alternative gegen den Becherwahn ist es, sich einfach hinzusetzen und den Kaffee in Ruhe zu trinken 🙂

Was motiviert dich, jeden Tag neben Studium, Job und Privatleben noch Zeit und Energie in das Projekt zu stecken?

Mich motiviert die große Diskrepanz, die ich jeden Tag in der Gesellschaft sehe. Vor allem junge Menschen wissen genau über Klimawandel und Ressourcenverschwendung Bescheid, aber nur wenige handeln auch danach. Dabei sind wir die letzte Generation, die noch etwas Entscheidendes an den großen Problemen der Welt ändern kann, und wir werden die Ersten sein, die die Auswirkungen des Wandels spüren werden. Ich habe das Gefühl, dass wir sehenden Auges ins Unglück rennen, und möchte mit meiner Initiative etwas dagegen unternehmen.

Coffee to go again crowdfundet seit Kurzem. Was passiert mit dem Geld und wieso sollte man genau diese Kampagne unterstützen?

Das Geld fließt in die Basics des Projekts, die ich bisher aus eigener Tasche bezahle. Vor allem Sticker und Infomaterial wie Flyer sind sehr wichtig, weil sie die Idee sichtbar machen. Außerdem soll es Becher mit dem Coffee to go again-Logo geben, ich brauche eine eigene Homepage und eine App mit allen teilnehmenden Cafés und Bäckereien ist in Arbeit. Die braucht aber weitere finanzielle Mittel, um fertiggestellt zu werden. Langfristig und je nach Summe sollen auch Workshops, Veranstaltungen und die anfallenden Reisekosten damit finanziert werden. Im besten Fall kann ich sogar Mitarbeiter einstellen.
Unterstützen sollte man das Crowdfunding von Coffee to go again, wenn man ganz konkreten Klimaschutz unterstützen und voranbringen möchte.

Liebe Julia, vielen Dank für unser Gespräch!

Ich persönlich bin schon lange ein Fan von Coffee to go again und hoffe, dass das Crowdfundig gelingt und die Initiative weiter bestehen bleiben kann. Wer seinen Teil dazu beitragen möchte (oder einfach einen coolen Kaffeebecher sucht), kann auf Startnext für das Projekt spenden.

Interview: Franziska Forster
Signatur Grünes Element

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2 Gedanken zu “#5Fragen an Julia Post über das Crowdfundig von Coffee to go again

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