Microplastik in Kosmetik: Der Bad-Check

Zu Beginn mal ein kleines Rätsel für euch: Ich habe den Microplatik-Check gemacht. Einer der Kosmetik-Haufen auf diesem Bild ist ohne Microplastik, die Produkte des anderen enthalten die kleinen Plastikpartikel. Welcher ist welcher?

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Eine Seite enthält Microplastik, eine enthält keine…

Microplastik ist ein heikles Thema: Schon bei der Definition sind sich diverse Online-Medien uneins. Der BUND spricht von Plastikteilen mit einem Durchmesser unter 5 Milimeter,  Spiegel und Wikipedia nennen 5 Mikrometer als Richtgröße. Auf jeden Fall ist das klein. Microplastik-Teilchen sind so klein, dass sie von normalen Kläranlagen nicht erfasst werden und ungehindert über Abwasser Flüsse, Seen und Meere erreichen. Es gibt zwei Quellen für die winzigen Plastikteilchen: Sekundäres Microplastik entsteht durch den Zerfall größerer Plastikteile, durch Reifenabrieb oder andere mechanische Einwirkungen. Es macht laut Umweltbundesamt den größeren Teil des Microplastiks in der Umwelt aus. Gleichzeitig ist es aber auch schwerer zu vermeiden: Zwar kann jeder auf Plastiktüten und viel Unnützes verzichten, aber in jedem einzelnen Bereich komplett plastikfrei zu leben ist schwierig und erfordert einen langen Weg der Umstellung. Anders ist es bei primärem Microplastik: Dieses ist vom Hersteller als solches geplant und wird überwiegend in Kosmetik und Körperpflegeprodukten verwendet. Es wird vor allem in Peelings, Duschbädern und Cremes verwendet, aber auch in MakeUp, Puder und anderen Produkten. In diesem Bereich ist es tatsächlich möglich, vollkommen microplastikfrei zu leben.

Denn, Überraschung: Der große Haufen meiner Badartikel enthält keine Plastikpartikel! Ich war wirklich überrascht, eigentlich hätte ich viel mehr Microplastik in meinen Produkten erwartet. Zwar sind viele der Sachen noch in Plastik verpackt, doch ich befinde mich immer noch am Anfang meines Weges und will die Sachen erst aufbrauchen, bevor ich sie wegwerfe. Anders ist es bei Microplastik: Der BUND empfiehlt, Artikel mit nachgewiesenem Microplastik vollständig in den Hausmüll zu werfen. Diese Gegenstände werden dann verbrannt. So treten zwar Schadstoffe aus, die hoffentlich in der Verbrennungsanlage gefiltert werden, das Plastik selbst kommt aber nicht mehr in die Umwelt und kann dort keinen Schaden anrichten.

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Lauter Artikel ohe Microplastik – ich bin überrascht und freue mich! 😀

Microplastik wurde bereits in vielen Meerestieren, aber auch in der Luft und in Nahrungsmitteln wie Mineralwasser, Fisch oder Honig nachgewiesen. Die Partikel sollen fremde Schadstoffe aufnehmen, in sich konzentrieren und in den Mägen von Tieren wieder abgeben. Auch die plastikeigenen Schadstoffe wie Weichmacher treten wieder aus. Das kann von Entzündungen in Tiermägen bis zum Verhungern wegen verminderter Nahrungsaufnahme bei kleineren Lebewesen führen. Über mögliche Auswirkungen auf den Menschen ist bisher kaum etwas bekannt. (Nachzulesen bei: NDR.de, Umwelt-Bundesamt, PlastiControl und Perfekt-Schminken.de)

Wie kann man aber zumindest primäres Microplastik erkennen und vermeiden? Dafür gibt es den genialen BUND-Einkaufsführer Microplastik. Das ist eine aktuelle Negativliste, auf der sehr viele Produkte aufgelistet sind, die Microplastik enthalten. Mit diesem PDF und der Suchfunktion (Strg + f) hab ich mich heute ins Bad gesetzt, um alle meine Produkte mal zu checken. Tatsächlich musste ich nur ein Peeling von Nivea aussortieren, das Plastikpartikel enthielt, meine anderen Kosmetika stehen nicht auf der Liste. Das heißt leider noch nicht zwingend, dass kein Microplastik enthalten ist. So gut der Einkaufsführer vom BUND auch ist, er kann nie ganz vollständig sein. Außerdem hatte ich bei vielen Sachen einfach Glück: Einige „meiner“ Firmen bieten auch Produkte mit Microplastik an, und ich habe einfach zum richtigen gegriffen. Besonders überrascht hat mich, dass auch vermeintlich gute Firmen mit grünem Image wie The Body Shop, Biotherm oder Vichy auf der Liste zu finden sind. Andere wiederum, wie Weleda, Savion oder Alverde, kommen komplett ohne Microplastik aus. Selbermachen ist natürlich auch noch eine Alternative, da weiß man dann ganz genau, was drin ist. Es gibt aber auch bei konventioneller Kosmetik hunderte Produkte ohne Microplastik.

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Das Nivea Creme peeling (links) mit den Microplastik-Bestandteilen markiert im Vergleich mit einer plastikfreien Alternative von Alverde.

Allen Smartphone-Nutzern würde ich empfehlen, den Einkaufsführer als PDF auf dem Handy zu speichern und vor jedem Neukauf zu konsultieren. Hier gibt es übrigens noch eine Version von Greenpeace für Österreich. Überhaupt allen würde ich empfehlen, sich die Zeit für einen Bad-Check zu nehmen (es geht echt schnell 🙂 ) und Produkte mit Microplastik SOFORT auszusortieren. Nicht aufbrauchen, nicht weiterverschenken, sondern direkt wegwerfen. Ein Bad ohne Microplastik ist absolut machbar!

Beste Grüße, Franziska

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2 Gedanken zu “Microplastik in Kosmetik: Der Bad-Check

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