Zero Waste-Markt OHNE eröffnet

Am 20.02.2016 eröffnete OHNE, der erste verpackungsfreie Supermarkt in München. Die Eröffnung war gut besucht, vor allem junge Menschen schätzen die Möglichkeit zum unverpackten Einkaufen.

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Es ist Viertel vor 11 Uhr am Samstagmorgen in der Maxvorstadt. Vor der Schellingstraße 42 sammelt sich eine Gruppe von Menschen mit Rucksäcken, Taschen und Beuteln. Der Altersdurchschnitt der Wartenden liegt bestimmt unter dreißig, es sind viele Studenten und junge Paare mit Kindern da.

Hinter den frisch renovierten Fenstern sind die Holzregale von Münchens erstem unverpacktem Supermarkt zu sehen. An einem Tisch im Inneren kann man die Angestellten sehen, die in letzter Minute Preisschilder ausschneiden und anbringen. Dementsprechend verschiebt sich die Eröffnung etwas.

Erst zehn Minuten nach 11 Uhr öffnen sich die Pforten des neuen Zero Waste-Tempels. Der erste Blick zeigt: Das Warten hat sich gelohnt. Der Laden ist groß, chick und passt perfekt in die Maxvorstadt. Liebevoll gestaltete Schilder zeigen, in welchem der selbstgebauten Regale was steht. Viel Holz und Glas definieren die Einrichtung von OHNE. Im Gegensatz zu Original Unverpackt in Berlin sind die Abfüllbehälter für Trockenprodukte wie Reis oder Nudeln aus Glas und absolut plastikfrei. Dafür sind sie aber auch nur halb so groß. Das Angebot an trockenen Waren ist sehr vielfältig, an Nudeln, Reis, Nüssen und Samen herrscht kein Mangel.

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Kleiner ist dafür das Angebot an frischem Obst und Gemüse. Es gibt zwar alle Basis-Gemüse wie Kartoffeln, Karotten oder Tomaten und auch exotische Früchte wie Bananen, Orangen oder Granatäpfel. Mit dem breiten Angebot eines konventionellen Supermarkts ist es bisher nicht zu vergleichen. Gurken oder Paprika sucht man zum Beispiel vergeblich. Das was da ist wird allerdings von Etepetete geliefert, einem Start Up, das der Lebensmittelverschwendung durch den Verkauf von sonst nicht handelskonformem krummem Gemüse entgegentritt. Das Gebäck, das in einer großen Brottheke und einem Bistrobereich mit einigen Tischen angeboten wird, wir ebenfalls lokal von einem Münchner Bäcker geliefert. Man kann nur eins sagen: Es ist wahnsinnig gut.

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Wer es schafft, sich durch die Massen an Besuchern und zwischen diversen Kamerateams hindurch zu schieben, findet auf einer halbhohen Empore im hinteren Teil des Ladens ein gut sortiertes Angebot an Haushaltsgegenständen. Besonders die Auswahl an flüssigen Wasch- und Spülmitteln zum Abfüllen ist beeindruckend. Die Seifen und Haarseifen ohne Verpackungen sind besonders gefragt. Wer selbst keine Mehrwegverpackungen dabei hat, kann außerdem aus vielen verschiedenen Gläsern, Flaschen und Boxen auswählen. Eigene Gefäße werden am Eingang des Ladens gewogen und das Eigengewicht an der Kasse herausgerechnet. So werden trotz Verpackungen nur die Produkte selbst bezahlt.

Neben vielen begeisterten Besuchern gibt es auch einigen Unmut. Wenige Minuten nach der Eröffnung verlässt eine Frau mit dem lauten Kommentar „Alles viel zu teuer hier!“ den Laden wieder. Tatsächlich sind die Preise für einige Produkte happig. 1,80€ für eine Rolle Klopapier oder etwa 6€ für das Kilo einer bestimmten Mehlsorte muss man sich erstmal leisten können. Bei vielen anderen Produkten sind die Preise immer noch hoch, aber nach Angaben der Süddeutschen Zeitung im Durchschnitt für Bio-Produkte. Ein direkter Vergleich ist leider nicht für alle Produkte möglich, da noch nicht alle Preisschilder angebracht waren.

Auch einige andere Staatschwierigkeiten hemmten zuerst den Betrieb des Ladens. Die Kasse machte zu Beginn Probleme, und auch die Mitarbeiter waren noch sichtlich ungeübt mit der Eingabe von Produkten. Deshalb standen die Kunden durch den ganzen Laden vor der einen Kasse Schlange, die für den Normalbetrieb sicher ausreicht, für die Eröffnung aber deutlich zu wenig war. Dennoch blieben die Mitarbeiter immer freundlich und lieferten noch reichliche Informationen zu ihren Produkten. Aufgeregt und vielbeschäftigt, aber offensichtlich glücklich über den regen Zulauf waren auch die Gründer Hannah Sartin, Carlo Krauß und Christine Traub von OHNE München.

Die Eröffnung von OHNE hat gezeigt, dass der neue Laden und sein Team in gewisser Hinsicht noch in den Kinderschuhen stecken. Nach einigen Tage Routine werden Probleme mit Kasse & Co. aber sicher verschwunden sein. Deshalb kann auch jedem Münchner nur zu einem Besuch bei OHNE geraten werden: Der Laden ist wunderschön ausgestattet, hat ein breites Angebot und eine sehr freundliche Belegschaft. Wer dort einkaufen geht und Müll vermeidet, stärkt nicht nur einen tollen kleinen Laden in der Münchner Innenstadt, sondern schützt auch aktiv die Umwelt. Wer dem Wegwerfwahnsinn bei Verpackungen und Produkten entgehen will, für den ist OHNE ein sehr gute Einkaufsmöglichkeit.

Signatur

Dieser Artikel erschien zuerst auf Grün&Gloria und MUCBOOK.

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4 Gedanken zu “Zero Waste-Markt OHNE eröffnet

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