Coffee-to-Go-Becher: Dein bester Feind

Was vor Kurzem noch die Nespresso-Kapsel war, ist jetzt der Coffee-to-Go-Becher: Umweltschädlich, ressourcenfressend, eine Bürde der modernen Zivilisation. Immer mehr Menschen werden auf dieses Thema aufmerksam, inzwischen ist sogar eine Steuer auf Einweg-Becher im Gespräch3. Hier gibt es einen kurzen Überblick über die verschiedenen Becher-Arten, ihren Umwelteinfluss und eine kleine Alternative.

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Wegwerf-Becher produzieren unglaublich viel Müll. Fotocredits: Sascha Krautz.

Insgesamt werden 320.000 Einweg-Becher in Deutschland verbraucht: pro Stunde1. Jeden Tag. Nur in Deutschland. Dabei kommt eine ganze Menge zusammen. Die klassischen Becher bestehen vor allem aus Papierfasern, sind aber innen mit einer feinen Plastikfolie beschichtet. Unser Konsum von Kaffee auf dem Sprung verbraucht 64.000 Tonnen Holz, und 11.000 Tonnen Kunststoff – und zusätzlich wahnsinnig viel Energie1. Dazu kommen dann noch Zuckerpäckchen, Rührstäbchen, Deckel und Strohhalm – in meinen Augen nicht wirklich nötig.

Bei den Bechern gibt es einige Unterschiede: Der klassische Becher im Handel besteht aus Papier und Plastikfolie, hat keinen Recycling-Anteil und ist wegen dem Papier-Plastik-Verbund auch nur schwer bis gar nicht zu recyclen. Weil sie nicht sonderlich gut isolieren, werden sie entweder doppelwandig gebaut, oder zwei Becher werden ineinander gesteckt (was den Ressourcenaufwand verdoppelt). Ebenfalls geläufig sind die meist braunen oder schwarzen Becher aus dem Automaten, die komplett aus Polystyrol, also Plastik bestehen. Für ihre Herstellung wird Rohöl verbraucht, was zu einer miserablen Öko-Bilanz führt. Sie können zwar im Gelben Sack (den es hier in München nicht gibt) recycelt werden, es gibt dabei aber Qualitätsverluste.
Ökologisch verträglicher präsentieren sich Becher mit Recycling-Anteil oder Bioplastik-Beschichtung. Sie sind meist durch Aufdruck als solche gekennzeichnet. Recycling-Becher sind sicher schon einmal ein Schritt in die richtige Richtung, da weniger neue Materialien verbraucht werden, aber auch ihre Herstellung fordert Einsatz von Ressourcen, Energie und vor allem Chemikalien.  Bioplastik hat entgegen der allgemeinen Annahme eine nur unbedeutend bessere Öko-Bilanz als herkömmlicher Plastik. Es ist aufwenig herzustellen und wird aus Nutzpflanzen produziert, die auch zur Nahrungsgewinnung verwendet werden könnten2. Außerdem ist es schlecht abbaubar. Auch diese „ökologischen Alternativen“ sind beim näheren Hinschauen also keine. Das Bundesland Berlin, im deutschen Vergleich Spitzenreiter beim To-Go-Becher-Verbrauch, erwägt inzwischen sogar eine Abgabe von 20 Cent pro Becher3. Wie zuvor bei den Plastiktüten sollen die Verbraucher am Geldbeutel gepackt und zur Vernunft gebracht werden.

Besonders ist mir aufgefallen, dass ich bei meiner Recherche auf keine Gegenargumente gestoßen bin. Keine Verbände, die Studien kritisieren, keine Gegen-Aktivisten, einfach gar keine Argumente für die Becher. Vielleicht hatte die ‚Kaffeebecher-Lobby‘ noch keine Zeit zu reagieren, oder es gibt sie einfach nicht.

Die Unmengen an Ressourcen für die Becher könnte man auch einfach sparen: Mit Thermobechern und zwei Minuten Zeit in der Früh. Das ist auch noch deutlich billiger, aber man muss eben selber was machen. Wer sich seinen Kaffee-Träume morgens nicht selbst erfüllen will, kann sich seinen mitgebrachten Bechern in immer mehr Cafes und Läden inzwischen auffüllen lassen. Die Münchner Initiative dafür heißt Coffee to go again und kennzeichnet Läden, die deine Tasse auffüllen, mit Stickern. So sieht das Logo der Kamapgne aus. Für alle, die wie ich nicht auf Kaffee, sondern auf heiße Schokolade stehen, habe ich noch eine andere Möglichkeit getestet: Schokomilch!

Die wunderbare Flasche mit Schokostücken habe ich geschenkt bekommen 🙂 Mit heißer Milch gefüllt und geschüttelt wird daraus eine leckere heiße Schokolade! Das Glas wird sehr warm, deswegen lieber mit einem Tuch halten. Gleichzeitig isoliert die Flasche auch nicht sehr gut, aber eine Stunde lang war meine heiße Schoko noch warm. Gut zugedreht ist die Flasche dicht, also kann man sie auch locker nochmal befüllen und mitnehmen – was ich in nächster Zeit sicher noch tun werde 🙂

Franziska

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Becherfotos zur allgemeinen Nutzung bei Namensnennung unter http://www.duh.de/5173.html


  1. Greenpeace Magazin. Inhalt: Verpackung. Ausgabe 6.15 (November/Dezember 2015). S. 20.
  2. Deutsche Umwelthilfe. Becherheld. Bechertypen. Online unter http://www.duh.de/becherheld_bechertypen.html
  3. Berliner Morgenpost. (29.01.16) Coffee-to-go-Becher könnten in Berlin bald 20 Cent kosten. Online unter http://www.morgenpost.de/berlin/article206984747/Coffee-to-go-Becher-koennten-in-Berlin-bald-20-Cent-kosten.html
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4 Gedanken zu “Coffee-to-Go-Becher: Dein bester Feind

  1. Pingback: 1/2 Jahr Grünes Element: Rückblick | Grünes Element

  2. Da bin ich ja wirklich froh, dass ich keinen Kaffee trinke. Meinen Tee habe ich mir schon öfter mitgenommen. Heiß in eine Flasche gefüllt bleibt er schon noch gute 1-2 Stunden in der Tasche warm. Und heiß trinke ich ihn ohnehin nicht 🙂 Dass es eine Initiative gibt die Läden kennzeichnet, die Becher, Tassen o.ä. auffüllen finde ich klasse! Sollte es bei uns auch geben.

    Viele Grüße, Jacqueline

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