Die Utopie vom guten Leben

Wer Visionen hat, sollte besser zum Arzt gehen, wird oft gesagt. Ich denke aber, dass ohne Visionen sich Leben und Engagement nicht so richtig lohnen. Wir können hier viel über Umwelschutz im Alltag schreiben, aber wo soll das eigentlich im Idealfall hinführen? Diese Frage möchte ich hier beantworten.

Haus in London

Ein Ziel ist es, die Natur auch in die Stadt zu holen – wie bei diesem tollen Haus in London.

Inzwischen ist das neue Jahr schon fortgeschritten, Alltag und Routine haben sich wieder eingestellt. Neujahr mit all seinen guten Vorsätzen scheint schon wieder ganz weit weg – trotzdem lohnt sich noch einmal ein Blick auf das große Ganze. Hier ist meine Utopie für die Zukunft:

Jeder Mensch erkennt seine Verantwortung für den Planeten an, engagiert sich in seinem Umfeld für den Umweltschutz und passt sein persönliches Leben dementsprechend an. Politik und Wirtschaft werden nicht mehr von Machtstreben und Profitgier geprägt, sondern von ethischem Bewusstsein und Verantwortung.

Die einzelnen Menschen fangen an, die Macht als Konsumenten auszunutzen: Allgemein wird weniger, aber bewusster konsumiert. Die Kunden investieren lieber mehr Geld in Produkte aus der Region, die langlebig sind und eine hohe Qualität haben. Wenn die Menschen weniger brauchen, können sie auch anfangen, weniger zu arbeiten. Vielleicht wird eine Vier-Tages-Woche schon bald die Regel sein, da weniger Geld für sinnlosen Konsum verwendet wird und mehr Dinge, wie Gemüse, selbst erzeugt werden.
Plastik wird nicht mehr für Wegwerfwaren wie Verpackungen und Sachen schlechter Qualität verwendet, weil es nicht nachgefragt und wegen Ölmangel teurer wird. Stattdessen wird Plastik nur noch dort eingesetzt, wo der Nutzen den Schaden überwiegt: Zum Beispiel in der Medizintechnik.

Die Technik selbst wird ebenfalls weiterentwickelt. Neue Techniken für den Umweltschutz entstehen, die Wasser säubern, Feinstaub filtern oder effizient Strom erzeugen können. Allerdings wird nicht alles angewandt, was auch möglich ist: Auf Atomkraft und andere gefährliche und umweltschädigende Technologien wird aus ethischen Überlegungen verzichtet. Das Open-Source-Prinzip wird weiter um sich greifen, das Internet trägt zum globalen Austausch von Ideen, Fortschritt und Bildung bei. Von einem offenen und freien Netz kann jeder profitieren. Wer sich an ökologischer Open-Source-Baukunst ausprobiert, wird vielleicht auch handwerklich geschickter und repariert mehr Gegenstände, statt sie wegzuwerfen – auch für andere in der Umgebung, die das vielleicht nicht können. So wird noch weniger Müll produziert und die vorhandenen Rohstoffe werden effizienter verwendet. Idealerweise wird sogar die Cradle-to-Cradle-Idee zum Standard: Es werden nur noch Produkte erzeugt, die zu 100% recyclefähig sind.

Dinge, die so erzeugt wurden, werden auch nicht mehr um den halben Globus transportiert. Während sich im Internet Ideen auf der ganzen Welt verbreiten, werden Produkte und Nahrungsmittel vor allem lokal erzeugt. Kurze Lieferwege sind weniger belastend für das Klima, der Kunde wünscht sich das, und wegen den weiter schwindenden Ölvorräten lohnen sich weite Transportwege überhaupt nicht mehr. So nimmt die Ausbeutung ferner Länder ab, und es entstehen kleine, fast vollständig geschlossene Wirtschaftskreise. Kleine Regionen sind wieder in der Lage, sich selbst zu versorgen. Das Bewusstsein für die direkte Umwelt nimmt zu, da ein Zerstören derselbigen einen riesigen Einfluss auf die eigene Lebenswelt, den Beruf und die Produktion der Region hätte.

Stadtpflanzen in Kopfenhagen

Lebensmittel können auch in de Stadt erzeugt werden – diese Gärtnerein in Kopenhagen zeigt, wie es geht.

Nicht nur Produkte, sondern vor allem auch Lebensmittel werden jetzt wieder lokal erzeugt. So entsteht weniger Verschwendung durch Verderben auf dem Transportweg, während das Gespür für Leben mit den Jahreszeiten wächst. Vielleicht könnte sogar das Hungerproblem gelöst werden: Wenn in armen Ländern weniger Cash Crops für den Weltmarkt angebaut werden, bleibt mehr Platz für Kleinbauern, das Essen für sich und ihre Familien anzubauen. Sie hätten wenigstens das Lebensnotwendige zu Essen, und das ist mehr, als es bisher der Fall ist. Gleichzeitig würden Entwicklungsländer nicht mit billigen Essensresten aus dem Westen überschwemmt werden und lokale Nahrungsmittelmärkte könnten sich stabilisieren. Niemand muss auf Grund von Hunger seine Heimat verlassen.
Bei der Auswahl ihrer Nahrung würden mehr Menschen das Tierwohl bedenken, und sich zumindest teilweise vegan oder vegetarisch ernähren. Es wird aber auch jedes Tier, das geschlachtet wird, vollständig verwertet. Es werden keine Rassen nur für spezielle Zwecke gezüchtet, sondern natürliche und alte Tierarten werden wieder vermehrt verwendet.
Durch kleinere Wirtschaftskreise können die Bauern besser einschätzen, wie hoch die Nachfrage ist, und es wird weniger Nahrungsmittelverschwendung geben. Vielleicht kann sogar auf Kunstdünger verzichtet und die Anbaufläche reduziert werden. Auch durch alternative Anbauflächen, wie Stadtgärten und Balkone, werden Flächen frei. Das gibt jedem die Chance, sein eigenes Gemüse anzubauen und Kontakt zur Natur zu halten. Die neuen freien Flächen könnten durch Verwilderung, durch nachhaltige Pflege oder durch Wiederaufforstung CO2 binden.

Räder in Stockholm

In der Stadt wird das Fahrrad zum Haupttransportmittel.

Während Produkte und Nahrungsmittel nur noch über kurze Strecken transportiert werden, hat sich mobilitätsmäßig auch für die Menschen einiges getan. Autos mit Benzin- oder Dieselantrieb gibt es nicht mehr, im Stadtverkehr bewegt man sich nur noch per Fahrrad oder zu Fuß. Der öffentliche Nahverkehr wird ausschließlich mit Ökostrom betrieben und für größere Transporte stehen mietbare Lastenräder und Elektro-Transporter zur Verfügung.
Für weitere Strecken fährt man mit dem Zug, der auch mit Ökostrom betrieben wird. Auch Güter werden mit Zügen transportiert, wenn sie längere Strecken zurücklegen müssen. Die Autobahnen werden nur noch von einigen Elektroautos befahren. Teils wurden sie in Radwege umgewandelt, teils zurückgebaut, um der Natur mehr Raum zu geben.
Reisen in ferne Länder sind nicht mehr so einfach möglich. Übers Wochenende nach Paris oder nach New York wird wohl niemand mehr fliegen, da Flugzeuge kaum noch gebraucht werden. Irgendwann wird es wohl auch für sie effiziente und umweltfreundliche Antriebe geben, aber noch ist das nicht in Sicht. Aber da jeder Mensch ja jetzt weniger arbeitet, haben auch alle die Zeit, länger zu verreisen und die Anfahrt per Zug und Schiff schon als Teil der Reise zu begreifen. Jeder kann die unglaubliche Natur, Kultur und die Menschen anderer Länder kennen lernen und so reift die Erkenntnis, dass jeder Einzelne verantwortlich für unserer Erde ist. Mit diesem Verständnis kommt die Verantwortung für den ganzen Planeten, globale Zusammenarbeit zum Umweltschutz und Menschlichkeit in jeder Hinsicht.

So könnte die Erde vielleicht wirklich zu einer Utopie werden – zu einem guten Ort.

WunderschönesFoto

Das ist meine Vorstellung von einer guten Zukunft. Über erste Ansätze, wie man das auch in die Wirklichkeit umsetzen könnte, möche ich am Freitag schreiben. Danke, dass Du alles gelesen hast und bis zum Ende drangeblieben bist 🙂 Was ist Deine Utopie, was wünschst Du Dir für die Zukunft?

Franziska

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4 Gedanken zu “Die Utopie vom guten Leben

  1. Pingback: 1/2 Jahr Grünes Element: Rückblick | Grünes Element

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  3. Das ist wirklich eine Utopie. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich große Wirtschaftskonzerne auf solche einschneidenden Veränderungen einlassen. Dafür ist die Lobbyarbeit zu groß.
    Eine 4-Tage Woche würde ich natürlich begrüßen, auch das vermehrt Gemüse und Obst selber anbauen (was ich ja bereits tue). Ich denke auch, dass es sinnvoll ist wieder vermehrt regional zu denken und zu wirtschaften um in den kommenden Krisenzeiten nicht zu sehr von anderen Ländern abhängig zu sein. In meiner Utopie würden wieder wie früher haltbare Geräte gebaut, die mindestens 20 Jahre halten. Keine Geräte mit billigen Plastikteilen, die nach spätestens 2 Jahren verschleißen, nicht ersetzt werden können und dann das ganze Gerät auf dem Müll landet. Das ist einfach eine viel zu große Umweltbelastung und ärgert mich jedes Malmaßlos.

    Ich bin gespannt auf deine Umsetzungsideen.

    Viele Grüße
    Jacqueline

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Jacqueline, vielen Dank für deine Gedanken! In vielen Dingen stimmen wir ja schon super überein, die Sache mit dem Verschleiß von Geräten ist wirklich ein wichtiger Punkt. Du hast leider auch Recht, dass große Konzere der Entwicklung hin zu dieser Utopie im Weg stehen werden… Ich denke aber trotzdem, dass man als Konsument und zusammen mit anderen große Einflussmöglichkeiten hat. 🙂 Aber mehr dazu am Freitag – ich bin gespannt, was du von meinen Ideen hältst!
      Beste Grüße, Franziska von Grünes Element

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